«Alle nackig!»

So ähnlich könnte man das französische Kinderbuch bezeichnen, das gerade für einen mittleren Skandal sorgt.
Eigentlich
gibt es das Buch schon seit drei Jahren. In die Medien kam es aber dank
des viel mediatisierten Kopfes der Mitte-Rechts-Partei UMP,
Jean-François Copé, der sich in einem Radio-Interview darüber beklagte, was den Kindern in der Schule «serviert» werde.

Schaut man sich die Bilder von «Tous à poil» an, merkt der geneigte Leser – zumindest der humorvolle –, dass das Buch weder besonders pädagogisch, noch lehrreich daher kommen soll. Das Bilderbuch ist vor allem eines: witzig. Es soll einfach zeigen, dass wir unter unseren Kleidern alle, wenn nicht gleich, dann doch sehr ähnlich sind.
Nach dem Schweizer Lamento
gegen die «Sexboxen» im Kindergarten, Lehrer, die den Schülern
Porno-Literatur vorsetzen, kommen jetzt die Franzosen: Bereits vor ein
paar Wochen gingen Menschen auf die Strasse, weil sie sich gegen einen
angeblich sexualisierten Lehrplan wehren wollten, der im Rahmen eines
neuen Gender-Equality-Gesetzes eingeführt werden soll.
Copé
hat in seinem Interview – nebst der Nackt-Bilder – das Bild der
fehlenden «Autorität» bemüht. Es ginge schliesslich nicht an, dass
Kinder sich vorstellen könnten, ihre Lehrer, Eltern und Grosseltern
nackt zu sehen, wo ginge denn das hin!
Da
frage ich mich natürlich schon, wie Copés denn so unterwegs sind zu
Hause. Haben seine Kinder ihn nie nackt gesehen? Hat er deshalb eine
solch natürliche Autorität, dass er in der Politik solchen Erfolg hat?
Denn
meine Kinder müssten meine Autorität ja schon lange in Frage gestellt
haben. Jedes Mal, wenn sie ins Badezimmer platzen. Und das tun Kinder ja
gerne und oft. Ich muss mir wohl ein Vorhängeschloss besorgen...
Was
halten Sie davon? Sind illustrierte Bilder von nackten Menschen
wirklich ein Problem? Was würden Ihre Kinder zu dem Buch sagen?
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