Dienstag, 24. April 2012

Sind Macho Mamas Ego-Mütter?

Wieso zweifelt man bei erwerbstätigen Mütter immer gleich die Liebe an ihren Kindern an? Diese und andere Fragen beantwortet das Buch «Macho Mamas».

Noch bevor ich mein Exemplar des neuen Buches «Macho Mamas – Warum Mütter im Job mehr wollen sollen» in der Hand hielt, wurden sie bereits in diversen Medien rezensiert. Die Interviews mit den Autorinnen Nicole Althaus und Michèle Binswanger machten Lust auf das Buch, das erklärt, wieso das Genderproblem in der Arbeitswelt schon lange kein Männchen-Weibchen-Problem mehr ist. Es ist ein Problem zwischen Mann Frau und... Müttern.

Frauen können tun und lassen, was immer sie wollen. Nicht so die Mütter. Die verfallen nämlich auch im 21. Jahrhundert in alte Rollenmuster und das hindert sie im Job. Wieso das so ist und warum es nicht sein müsste, wird im Buch an zahlreichen Beispielen erläutert.

 
Diese hat offensichtlich auch Daniela Niederberger für die Weltwoche gelesen. Verstanden hat sie es aber nicht, wie mir scheint. So schreibt sie bereits eingangs Artikel, das Buch handle von Ehrgeiz und Eigensinn, nicht aber von den Kindern. Liebe Frau Niederberger, um die geht es ja auch gar nicht. Die Kinder sind weder das Problem, noch sind sie Schuld an der Misere.

Wieso geht es bei der Erwerbstätigkeit einer Mutter immer darum, ob sie ihre Kinder liebt? Ein Vater, der für den Unterhalt der Familie aufkommt, liebt seine Kinder offensichtlich, deshalb geht er ja arbeiten (meistens). Aber eine Mutter, die die Brötchen verdient? Ist eben eine Rabenmutter.

Doch wir von der Generation X wuchsen nun mal mit dem Gedanken auf, alles zu können und zu dürfen, was Männer auch können und dürfen. Studieren, abstimmen, «männliche» Jobs übernehmen und das in High Heels. Dass diese Laufbahn nach dem Gang in den Gebärsaal ein jähes Ende nehmen würde, hatte uns niemand gesagt. Und das Erwachen auf der anderen Seite der Spital-Tür ist eben hart. Frau verliert viel, wenn sie Mutter wird, keine mir bekannte Frau würde das je abstreiten.

Deshalb sind Fragen, wie sie die Journalistin in der Weltwoche stellt, wie «Aber hat man nicht auch etwas Wunderbares gewonnen?» ähnlich deplaziert, wie die zahlreichen (männlichen) Kommentare, die uns Müttern nahelegen, einfach ein paar Jahre zu verzichten, das ginge nun mal nicht anders. Natürlich hat man viel gewonnen, das sagen übrigens auch die Macho Mamas selber. Kinder zu haben ist das Grösste. Nur, darum geht es bei der Lektüre schlicht und einfach nicht. Und verzichten klingt erst einmal einfach und einigen vielleicht sogar plausibel, nur ist es nicht realistisch. Denn ein solcher Verzicht bedeutet schlicht und einfach, dass Mami in der Arbeitswelt weg vom Fenster ist. Die Folgen davon kennen viele von uns: Das Selbstverwertgefühl sinkt, man ist finanziell abhängig und das erneute «Reinwurschteln» in den Job ist eben genau das: Ein Basteln, probieren, ein Bitten und Betteln.

Auch Hinweise wie «Es gibt Mütter, die sind gerne bei ihren Kindern», sind schlicht und ergreifend dumm. Natürlich sind die meisten Mütter gern bei ihren Kindern! Aber immer? 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche? Schön! Die brauchen das Buch ja auch nicht zu lesen.

Für die anderen, die mit demselben schlechten Gewissen, wie es Frau Althaus und Frau Binswanger (und ich) manchmal haben, denen möchte ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen. Denn die Autorinnen beschreiben wunderbar, wie es sich anfühlt, in der Arbeitswelt trotz vielversprechender Karriere nicht mehr wahrgenommen zu werden, sobald ein Kind da ist. Und nein, die Kinder kommen nicht oft vor beim Lesen. (Aber auch: «Mein Kind. Dies war der erste meines neuen Lebens als Mutter. Ich habe ihn nie bereut.» M. Binswanger) Doch nicht, wie Daniela Niederberger glaubt, weil es die schreibenden Mütter nicht interessiert, «wie Kinder es finden, drei oder vier Tage in der Krippe oder im Hort zu sein. Ob ihnen das Mami fehlt...» sondern einfach, weil sie nicht das Thema sind. Die Mütter sind das Thema. Und die sollten das Buch lesen. Wenn sie wollen.

Kommentare:

Marie hat gesagt…

Genau das ist, was mich immer so wütend macht, dieser latente Vorwurf, man würde seine Kinder nicht ausreichend lieben und ja kaum zu Gesicht bekommen, wenn frau es wagt auch nur halbtags arbeiten zu gehen!!!

Da werd ich echt zum Hulk!
Und diese neokonservativen **** die ein Bild von Kinderkrippen wie herzlose Babyverwahreinrichtungen zeichnen. Huh, da könnte ich mich gerade wieder aufregen.

Danke für den Artikel zu einem Buch, das ich sicher lesen werde!

Viviane hat gesagt…

Kann jedes Wort unterstreichen. Und was in einem reichen Land wie der Schweiz oft vergessen geht, es gibt Länder, vor allem in Skandinavien, in welchen praktisch 100% beide Elternteile arbeiten müssen (weil sonst das Geld nicht reicht), oft sogar vollzeit. So müssten Kinder einer ganzen Nation todunglücklich sein, weil die armen Dinger in der Krippe sein müssen. Und noch etwas, eine intelligente Frau (Hillary Clinton) hat etwas Gescheites gesagt und darüber ein Buch geschrieben "It takes a village to raise a child". Es sind nicht nur die Eltern, die ein Kind beim Aufwachsen begleiten (können).

Anonym hat gesagt…

Ehrlich gesagt, musste ich auch als erstes daran denken, dass diese Mütter egoistisch sind. Auch finde ich sie weinerlich, weil sie sich immerzu beschweren. Ohne Verzicht geht es nun mal wirklich nicht, der Porsche ist out und der Job eben auch. Man sollte schliesslich nciht dauernd daran denken, ob man ev. mal getrennt lebt und deshalb nciht finanzielle abhängig sein darf, oder? Ich bin gerne Hausfrau, habe aber oft das Gefühl, deshalb belächelt zu werden, ja gar bemitleidet. Weil ich meinen IQ brach liegen lasse oder so. Aber meine Kinder zu erziehen fordert auch einiges an Köpfchen, meinen Sie nicht? Das Buch werde ich nicht kaufen, der Artikel war trotzdem interessant. So viel IQ habe ich also noch.

Anonym hat gesagt…

Sehe ich ähnlich. Dank den Macho- Mamas wird die kleine Hausfrau nur noch kleiner.
Was ich genau so sehe wie die Autorinnen: Die Vollzeitmutter ist eine noch relative jung Erscheinung. Vor ein paar Generationen musste die Mutter Bsp. auf dem Hof mit an packen. Jedoch wurden Kinder von der Grossmutter im eigenen Heim gehütet, Mama war trotzdem irgendwie da und das Kind ZUHAUSE. Man half sich gegenseitig und genau dies ist heute immer seltener der Fall. Und darum kommen immer mehr Krippen und Tamus zum zuge, was ich wiederum total schade und NICHT gut finde. Ämel ab gewissem Pensum..
Ich bin nicht per se gegen Mamis die vollgas geben möchten. Im Gegenteil: Ich räume immer meine Rechte ein und bin alles andere als ein graues Mäuschen :-) Aber alles kann man nicht haben. Gebt euch zufrieden mit Teizeit und gesunden Kindern und lasst sie Familienintern betreuen oder nur zu einem kleinen Pensum in Krippe. Eine Krippe kommt nie an (s)eine Familie ran und bedeutet Arbeit und Stress für ein Kind.

Lg

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