Montag, 2. April 2012

Bin ich eine Söhnchenmutter?


Die Muttersöhnchen von letzter Woche gaben mir zu denken. Bin ich eine Mutter, die ein solches Söhnchen aufzieht? Ich glaube nicht. Eigentlich.
Rita Angelones Artikel letzte Woche über Mammoni, Mamititis und Muttersöhnchen erwähnte unter anderem die Problematik der Erziehung. «Will die Schweiz, so der Rückschluss, nicht dasselbe Schicksal wie Griechenland, Italien oder Bulgarien erleiden, sollten Mütter hierzulande ihre Brut rechtzeitig aus dem Nest schmeissen, sofern diese nicht freiwillig das Hotel Mama verlassen will.» so ihre Folgerung. 

Nun denken die meisten Mütter, die ich kenne, wenn sie das lesen «natürlich möchte ich kein Muttersöhnchen. Sie sollen so bald wie möglich auf einen Füssen stehen.» Ich sehe das auch so. Ich zähle mich zu der Art Mutter mit «Steh-auf-und-hol's-dir-selber-Erziehung». Meine Kinder (8 und 3 Jahre alt) sollen lernen, sich schon früh selber anzuziehen, alleine draussen zu spielen, im Dorflädeli einzukaufen, die eigene Wäsche weg- und den Tisch abzuräumen. Sie tun es ja auch. Meistens. 

Trotzdem stellen wir immer wieder fest, wie unselbständig unsere Kids sind. Täglich muss ich Sie daran erinnern, dass sie ihre Schuhe doch bitte selber wegräumen und die Jacken aufhängen sollen. Dasselbe mit Trottinett, Velo und Pijama. Es ist, als würden sie nur selbständig funktionieren, wenn ich es ihnen sage. Und das ist dann eben nicht mehr SELBständig, nicht wahr? 

So kommt es manchmal, dass ich die «Afrikanische-Kinder-Karte» ziehe. Die taugt nämlich nicht nur für das Aufessen des Brocooliauflaufes, sondern eben manchmal auch, um an das schlechte Konsumgewissen des Kindes zu appellieren (falls es so etwas überhaupt gibt). Also höre ich mich Dinge sagen wie «Die Kinder in Afrika wären froh, hätten sie ein Trotti, dass sie wegräumen müssten!» oder so ähnlich. 

Worauf laufen diese Gespräche also hinaus? Dass ich die Hälfte der Zeit doch alles selber mache, einfach weil ich nicht diskutieren mag. Und um auf die Muttersöhnchen zurückzukommen: Fängt so die Problematik des Hotel Mama an? Ziehe ich mir hier Mammoni heran, die unser Haus nie wieder verlassen werden, schliesslich erledigt Mamma alles für sie? 

Sehen wir uns doch mal die älteren Kinder im Bekanntenkreis an: Der 25-Järhige, der noch zu hause wohnt, macht selber zwar einiges, seine Freundin, die mittlerweile genauso oft bei seinen Eltern anzutreffen ist, wie er, ist jedoch die, die sich bedienen lässt. Seine Wäsche wäscht er nur selber, wenn Mami in den Ferien ist. Doch sein Auto stellt er selber weg. Immerhin. Wie die Mutter ihn erzogen hat, weiss ich nicht, doch einen Mammone wollte sie bestimmt nicht, genauso wenig wie ich! 

Ein anderer junger Mann wiederum ist mit knapp 20 ausgezogen und lebt sein Leben. Nicht etwa, weil es ihm zuhause nicht mehr gefiel, sondern weil er selber für sich sorgen wollte. «Ich freute mich auf diese Freiheit.» wie er mir gestand. 

Das dritte Beispiel ist bei Weitem das Abschreckendste: Der mittlerweile 40-Jährige lässt seinen Vater heute noch die Gartenarbeiten erledigen. Diser ist bald 80! Derweil sitzt Sohnemann auf der Terrasse und trinkt Kaffee...

Was ich daraus folgere? Vielleicht sind meine Kinder einfach noch zu jung, um wirklich selbständig zu sein. Mit drei wollte mein Grosser seine Schuhe auch noch nicht selber binden, mit bald acht Jahren macht er das, ohne mit der Wimper zu zucken. Mit 18 wird er wohl auch seine Wäsche selber zusammenlegen, oder nicht? 

Die Kindheit ist nur eine kurze Phase, in der man den Grundstein für später legen kann. Um dann zu sehen, ob man ein Mamititi aufgezogen hat. Oder eben nicht.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Als Sohn (Einzelkind) hab ich die Erfahrung gemacht, dass das ständige Kommentieren so nervt, dass es keine Wirkung mehr zeigt und Trotzreaktionen hervorruft (unbewusst). Sie werden ausziehen und dann werden sie machen, was zu Hause beigebracht wurde. Nur Kinder, bei denen auf alles geachtet wird, fühlen sich praktisch nicht ernst genommen.

Einfach mal Stück für Stück die Sachen liegen lassen. Und von KINDERN nicht zu viel erwarten und in erster Linie für sie da sein und sie begleiten (Schule, Hobby, etc.). Den Rest eignen sie sich schon durch abschauen automatisch an.

Viele Grüße

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