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Wie überlebt man sein Kind?

Wie weiterleben, wenn das Kind gestorben ist?

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber seit ich selber Kinder habe, sind mir Nachrichten über Unfälle und Verbrechen, bei denen Kinder involviert sind, unerträglich. Das Busunglück im Wallis, bei dem 22 Kinder starben und die kaltblütigen Hinrichtigungen dreier Kinder in
warfen auch in den Medien letzte Woche viele Fragen auf. Einige handelten davon, wie wir unseren Kindern solche Tragödien erklären können, ohne sie zu traumatisieren.
So wichtig das natürlich ist, so viel mehr beschäftigt mich zurzeit die Frage, wie die betroffenen Eltern den Schmerz und die Trauer überhaupt aushalten. Wie lebt man weiter, wenn man ein Kind verloren hat? Wie kümmert man sich weiterhin um ein weiteres Kind, dass ebenfalls einen Verlust – nämlich den des Geschwisters – zu beklagen hat? Wie geht man damit um, immer wieder an den verstorbenen Sohn, an die verstorbene Tochter erinnert zu werden?
Ich stelle mir vor, dass Eltern beim Verlust des einzigen Kindes schlicht und einfach selber nicht mehr leben wollen. Wofür auch? Doch ich habe zwei Kinder. Wie würde ich weitermachen, wenn ich eines davon verlieren würde? Und schon bei dem blossen Gedanken kommen mir die Tränen.
Nehmen wir das Busunglück der belgischen Schüler: Die Eltern dieser verstorbenen Kinder freuten sich auf ein Wiedersehen und darauf, von den 12-Jährigen alles über ihr Skilager zu erfahren. Stattdessen kriegen sie einen Anruf, es habe einen Unfall gegeben. Einen ganzen Tag lang wussten sie nicht einmal, ob ihr Kind noch lebt oder zu den Toten gehört. Erholt man sich von solch einem Trauma?
Oder dieser Verrückte, der in Toulouse Kinder vor der Schule hinrichtet, im Namen Allahs, dessen Religion einen solchen Akt genauso wie alle anderen verurteilt (damit das auch wiedermal gesagt ist). Schickt man sein anderes Kind jemals wieder mit ruhigem Gewissen in die Schule?
Solche Tragödien wie in den letzten Woche zeigen uns wieder einmal auf, wie kostbar das Leben ist. Und dass wir es geniessen sollen. Ich sollte vielleicht auch weniger streng zu meinen Kindern sein und mich öfter fragen, wie wichtig es wirklich ist, mit ihnen zu schimpfen, weil sie sich die Hände schon wieder nicht gewaschen haben. Und ihnen noch öfter sagen, dass ich sie liebe. Das gilt übrigens nicht nur für unsere Kinder, sondern für alle, die uns nahe stehen.
Denn sobald die Tragödien aus den Schlagzeilen verschwunden sind, geht unser Leben weiter. Wir werden diese Schicksale nach und nach vergessen. Die Eltern der getöteten Kinder nicht. Nie.

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