Sonntag, 15. August 2010

You are not alone...

Das beste, ehrlichste, intelligenteste Buch, das ich seit langem gelesen habe: Ayelet Waldmanns "Böse Mütter". Denn sie gibt alles zu. Die Langeweile, die Verblödung, den Zickenterror, den Egoismus, aber auch die zahlreichen Glücksmomente als Mutter. Inspirierend!

Mit ihrer Aussage, sie liebe ihren Mann mehr als ihre Kinder, hat sie Amerika vor ein paar Jahren in einem Essay in der New York Times empört. Die Krimiautorin und ehemalige Strafverteidigerin hat es gewagt, das unaussprechliche zu sagen. Dass ihre Kinder ihren Mann nie ersetzt haben und deshalb keine Pole Position einnehmen. So! Und das reicht eben schon, um aus ihr eine böse Mutter zu machen. Schliesslich sind unsere Kinder ALLES und nichts, nicht einmal deren Vater hat das Recht, ihnen diese Platz streitig zu machen.

Sie erklärt wunderbar ehrlich und ohne Rücksicht auf die "Mütterpolizei" (denn die kritischsten Stimmen kommen leider aus den eigenen Rängen), wieso sie immer noch gerne Sex mit ihrem Mann hat (weil er im Haushalt genau so viel macht, wie sie) und wieso sie nach einer Woche Vollzeit-Mutter fast verrückt wurde.

Dieses Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht in die Rubrik "Freche Frauen" gehört, deren Abteil in der Bücherei vor pinken Umschlägen, High-Heels und Cocktailgläsern schon von weitem zu sehen ist. Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Mutter, die es bereut hat, ihre erfolgreiche Karriere aufzugeben, um "für ihre Kinder da zu sein". Denn unsere Kinder brauchen keine anwesenden, aber unglücklichen Eltern. Sondern zufriedene Eltern, die ihr Leben selber definieren, auch wenn sie nicht jedes neue Wort oder kleine Bobo mitkriegen.

Fazit: Es soll eben jeder so, wie er will und kann. Die Mütterpolizei hat ausgedient.

1 Kommentar:

anna hat gesagt…

Klingt nach genau der Lektüre, die ich nach 5 Wochen Sommerferien brauche... Danke für den Tipp!

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