Donnerstag, 19. August 2010

Teilzeit Mutter

Sind berufstätige Mütter immer noch Aliens?
Nach der Babypause wieder zu arbeiten erscheint heutzutage zwar logisch, ist aber für die meisten Frauen noch mit einem schlechten Gewissen verbunden. Warum eigentlich?



Baby. Pause. Zumindest für uns Frauen werden neun Monate Schwangerschaft durch eine mehr oder weniger lange Babypause „belohnt“. Anfangs ist das auch nützlich und wichtig. Die drei B’s müssen berücksichtigt werden: Bonding, Beckenbodentraining und Brustentleerung. Nach ein paar Monaten allerdings sieht frau oft ein, dass die sogenannte Belohnung eher einem vergifteten Geschenk gleicht. Aus den drei B’s wird nämlich zusehends ein ganzes Alphabet, das es abzuhaken gibt. Von A wie „Ach du Scheisse, wie krieg ich die Kilos wieder runter?“ bis Z „Wo Zum Teufel ist mein Still-BH?“ besteht unser Alltag aus lauter nervigen, stressigen, langweiligen Momenten, die uns den geliebten Beruf vermissen lassen.

Mir ging es auf jeden Fall so. Nun ist die Pause vorbei und ich stelle mit enormer Erleichterung fest: „Ich bin keine Hausfrau mehr!“ Denn Mutter bleibe ich ja, also hat sich meine Bezeichnung von „Hausfrau und Mutter“ auf Mutter gekürzt. (Wer sich jetzt darüber aufregt, dass ich solch altbackene Ausdrücke statt „Familienfrau“ gebrauche, dem sei gesagt, dass ich keine Frau kenne, die durchaus gerne für ihre Familie da ist, jedoch nicht liebend gerne den Hausfrauen-Part sausen lassen würde. Die Bezeichnung Familienfrau verschweigt blumig, dass wir eben auch Putzfrauen sind.) Leider macht sich der Haushalt jetzt nicht von selber, lediglich die Bezeichnung gefällt mir besser.

Ich bin also wieder eine berufstätige Mutter. Klingt gut. Klingt nach Doppelbelastung, aber im positiven Sinn. Positiv, da ich es mir aussuchen kann. Im Gegensatz zu den meisten, die arbeiten müssen, tue ich dies sozusagen zum Spass. Denn ich habe das Glück, einen Beruf zu haben, der mir Spass macht. „Und die Kinder etwa nicht?“ werden jetzt die einen oder anderen entgegnen. Doch natürlich. Spass ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich liebe sie. Über alles. Aber meine grauen Hirnzellen verlangen eben manchmal nach mehr als „Was git’s hüt?“ und „Dä Kevin isch sones A....!“.

Ob ich manchmal ein schlechtes Gewissen habe? Ich gebe zu, ich frage mich schon gelegentlich, ob mich meine kleine Tochter den ganzen Tag vermisst und ob mein Sohn am Mittagstisch auch mag, was er vorgesetzt bekommt. Aber das – egoistische? – Gefühl, endlich wieder arbeiten zu dürfen, mit Leuten über anderes als Schule und Schoppen zu reden, schlägt das schlechte Gewissen mit einem lauten „Attackeeee!“-Schrei in die Flucht.

Denn ich habe es satt, mir von der Gesellschaft immer mehr Vorschriften zum Muttersein machen zu lassen: Länger stillen, gesünder kochen und zu hause bleiben, damit die Kinder nicht traurig sind. Es ist ja nicht so, dass ich zweimal die Woche einen Wellnesstag einlege. Oder shoppen gehe. Auch wenn mir mein Job Spass macht, gratis würde auch ich nicht arbeiten gehen. Also tu ich dies doch genauso für die Familie, wie alles andere auch.

Ehrlich gesagt hätte ich diese Problem nicht, würde ich noch in der Stadt leben. In unserem Dorf ist es jedoch so, dass die meisten Mütter Vollzeitmütter sind (auch eine bescheuerte Bezeichnung, als wäre so etwas wie Teilzeitmutter überhaupt möglich). Und ich mich immer wieder rechtfertigen muss, wieso und wie oft ich arbeiten gehe. Worauf ich mich fühle wie Alf bei den Tanners: Von einem anderen Planeten.

Und schon wieder eine Mutter, die ihre Wahl rechtfertigt.... Sind wir am Ende selber schuld, dass wir nicht selbstbewusster auftreten?

Kommentare:

anna hat gesagt…

Kann es sein, dass mit dem Baby, auch das schlechte Gewissen mitgeboren wird? Mutter ist ja nie gut genug, es gibt immer fähigere, bessere, organisiertere, geduldigere Mütter. Was soll's? Solange meine Kinder keine Serienmörder werden, habe ich meinen Job nicht allzu schlecht gemacht, oder?

Rebecca Harms hat gesagt…

Wie wundervoll! Genauso ging und geht es mir.
Aber abgesehen davon, dass wir Mütter immer erst einmal dazu neigen, uns zu verteidigen, gibt es an der Sache doch einen ganz besonderen Witz:
Wenn wir Shoppen gehen oder Wellness machen würden, hätte kaum jemand ein Problem. Hauptsache, die Kinder sind bis 13:00 Uhr aus dem Kindergarten abgeholt...
Ist damit das ganze Thema nicht eigentlich ad absurdum geführt?
Vielleicht geht es mehr um die Missgunst, dass jemand es wagt, Familie UND Beruf zu wollen.

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