Dienstag, 3. November 2009

Willkommen im System

Mit dem Kindergarten kommen unsere Kinder zum ersten Mal in Kontakt mit dem "System". Doch mit den ersten Hausaufgaben kamen bei mir die ersten Tränen. Willkommen im Leben, kleiner Mann.

Gestern kam mein Grosser fast platzend vor Stolz mit seinen ersten Hausaufgaben nach hause. Er war so aufgeregt darüber, dass er kaum die Jacke auszog und sich sofort an die Aufgabe in seinem brandneuen Heft machen wollte. Für den z'Vieri hätte er keine Zeit, seine Lehrerin hätte gesagt, er müsse die Uffzgi s o f o r t erledigen.

Also verschwand er in sein Zimmer - ich musste sogar die Türe schliessen, er brauche Ruhe - und machte sich mit hängender Zunge und konzentrierter Stirnfalte an die Aufgabe. Er war sooo klein mit seinen grossen Augen, die ganz aufgeregt und stolz schauten. Gleichzeitig war er sooo gross an seinem mittlerweile etwas winzigen Kinderzimmertisch. Mir kamen die Tränen.

Jetzt ist er Teil des Systems. Dieses System, das viele von uns schulisch so vergrault hat. Das uns die Freude an Literatur und Mathematik-Rätseln nahm. Nicht immer und nicht allen, zugegeben, aber viele von uns erinnern sich bestimmt an die todlangweiligen Deutschstunden, in denen die zweite indogermanische Lautverschiebung besprochen wurde. Oder Chemie-Stunden, in denen nur theoretisch über Atome und Moleküle diskutiert wurde, anstatt echte kleine Bomben zu basteln. Wie langweilig waren die Französisch-Stunden mit den noch langweiligeren Simone und wie-hiess-der-Cousin-de-Genève-nochmal? Die mittelalterlichen Bauern hingen mir zum Hals raus und langwierige Erklärungen über Kalkgesteine im Jura liessen mich regelmässig einnicken. Ihr wisst, was ich meine.

Meine Hoffnung ist gross, dass mein kleiner Grosser Lehrer findet, die ihn begeistern können. ob für Literatur, Mathematik, Musik, Sport, egal, Hauptsache Begeisterung für irgend etwas, das ihm die Schule beibringen will. Und meine grösste Sorge? Dass ich ihm bei so vielen Aufgaben nicht helfen kann, weil ich eine Pfeife in fast allen Fächern war.

Hoffen wir, die momentane Begeisterung meines kleinen Jungen hält noch ein paar Jahre an. Zumindest bis in die Pubertät, wenn sowieso alles uncool wird.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Deshalb ist doch der ganze Harmos-Mist Humbug! Nun werden die Kinder bereits mit 4 eingeschult und sind noch früher in den Mühlen. Und was bringt's? Sind Kinder im Ausland etwa intelligenter als unsere?

carmen hat gesagt…

... und schwup-di-wup hat er die Aufgabe schon gelöst. Ganz stolz. War gar nicht schwierig, diese Ornamente auf dem Drachen nachzeichnen.

Wenns immer so einfach wäre.

Bei mir waren vor allem die Rechnungsaufgaben eine Qual.

Hoffentlich kann ich meine Kinder immer gut motivieren und nicht überfordern.

Carmen

Simon Künzler hat gesagt…

Unser hat im Kindergarten jede Woche eine Wochenaufgabe... Diese erfüllt er systematisch, wobei nicht immer so begeistert... Wir werden sehen ;-)

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