Montag, 9. September 2013

Wie ist das eigentlich so als Mutter?



Die Frau, die nie auf ihr Muttersein reduziert werden wollte, schreibt jetzt genau darüber ein Buch. Michèle Roten erklärt, «Wie Mutter sein» geht. Ein Streifzug durch ein witziges und aufklärendes Werk.

Wie so manche Journalisten-Frau hatte sich auch die «Magazin»-Kolumnistin Michèle Roten während ihrer Schwangerschaft vorgenommen, NICHT über's Muttersein zu schreiben. Nie. Wie sie mittlerweile selber festgestellt hat, sollte man nie «nie» sagen. Denn es kommt immer anders. Auch hier.

Was mir an «Wie Mutter sein» nicht gefällt gleich zu Anfang:
  1. Die Diskussion – welche Roten übrigens schon bei ihrer Buchvernissage zu «Wie Frau sein» mit Julia Onken ausgiebig besprach –, wieso es besser ist, sein Kind in die Krippe zu geben als beispielsweise zur Grossmutter. Die Krippenkinder sind angeblich schlauer, sozialisierter etc. Meine Kinder waren in der Krippe, und es war gut. Für andere ist es aber vielleicht nicht die beste Lösung, schon gar nicht die billigste. Michèle Roten ruft in ihrem Buch die Frauen zwar dazu auf, sich nicht gegenseitig zu kritisieren, tut aber mit der Krippengeschichte selber genau das.
  2. Pampers sind NICHT um Welten besser als andere Windeln, das ist Quatsch.
Aber das ist eigentlich schon alles. Denn das Buch ist sonst sehr unterhaltsam und im typischen «Magazin»-Kolumnen-Stil geschrieben. Die zahlreichen Interviews werden vor allem werdenden Müttern eine Hilfe sein. Rezensieren werde ich das Buch an dieser Stelle nicht, ich begnüge mich damit, meine Lieblingspassagen zu zitieren. Denn niemand beschreibt so schön, wie es ist «Wie Mutter» zu sein:
  
Wir werden grosse Fortschritte gemacht haben, wenn mal gesagt wird: «Oh wie schön, ist heute Mamitag?

Daneben, dass ein Kind einem Erfüllung und Lebenssinn und so schenkt, ist es auch die beste aller Ausreden für jegliche Verabredungen, auf die man grad keine Lust hat.

Die beste Antwort auf die recht indiskrete Frage, ob man ein weiteres Kind wolle, ist eigentlich: Lieb von dir, aber ich muss leider ablehnen. 

Die Binden, die man nach der Geburt trägt, sind so gross wie Hotdogs.

Und da gibt es eine grosse Baustelle, die Veränderungen auf ziemlich allen Ebenen des Systems zur Folge hätte: unser Verhältnis zu Teilzeitarbeit. Solange das gängige Modell weiterhin, und wir haben zweitausendtam­midreizehn, so aussieht, dass der Vater Vollzeit arbeitet und die Mutter, wenn überhaupt, «weiterarbeitet, aber reduziert» oder gar etwas «dazuverdient», bleiben wir genau da stehen, wo wir sind. 

Wenn mein Sohn wüsste, dass ich mich, sobald er abends im Bett ist, mit Schokolade, Guetzli, Gummibärchen, Chips und überhaupt allem, was er liebt, aber nur in Massen bekommt, vollstopfe! 

Ich bin absolut für die Frauenquote. Aber genau genommen bräuchten wir eine Mütterquote, damit sich wirklich etwas verändert. 

Ich hab irgendwie ein Problem mit dem Wort «Mama»....
«Ich bin jetzt eine Mama», das ist nicht der gleiche Satz wie
«Ich bin jetzt Mutter» oder
«Ich habe jetzt ein Kind».
Wenn man mal eine Mama ist, ist man sonst nicht mehr viel.

Ihre diversen Aufrufe an uns Frauen:
  • Frauen: Gekaufter Babybrei ist in Ordnung! Euer Kind wird nicht glücklicher, klüger, hübscher, braver oder gesün­ der mit selbst gemachtem Babybrei! Euer Kind wird sehr bald schon Kaugummis vom Boden kratzen und essen!
  • Frauen: Kinder entwickeln sich tipptopp auch ohne Baby­schwimmkurs und Krabbellernkurs und pränatalen Mozart und Babymassagekurs und MuKi­Yoga!
  • Frauen: Hört auf, immer die Schuld bei euch zu suchen, wenn irgendwas mit dem Kind nicht superoptimal ist! Das machen schon die anderen!
  • Frauen, sagt es laut: Ich bin eine Gutgenugistin!
  • Irgendwann versteht man, was alle meinten, wenn sie sagten: Geniess es, solange es noch so klein ist!

    Warum Mutter keinen Sex will 5 (es gibt noch ein paar weitere Gründe): Sie ist wütend auf Vater, weil dessen Leben sich kaum verändert hat und er doch so tut, als wär er der Überpapi, bloss weil er weiss, was eine Windel ist, und auch mal mit dem Kind spielt.
Könnte man einen Fötus fragen, ich bin ziemlich sicher, er würde einen Kaiserschnitt wählen.

Aber ein Kind ist vor allen Dingen einfach sehr, sehr lustig.

Wir werden dafür be­straft, Körper zu haben, die Babys herstellen können!

Und nicht zuletzt muss man das Interview mit wir eltern-Blogger Nils Pickert gelesen und die «Wer ist Chef-Baby-Checkliste» mit Fragen wie «Wer sass schon öfter mit dem Kind auf dem Schoss auf dem Klo?» abgehakt haben. Der oder die, welche die meisten Fragen mit «Ja» beantworten kann, gilt als Chef Baby. Alles klar? Nach der Lektüre von Rotens Buch, das Sie ja eigentlich nie schreiben wollte, weiss man definitiv, wie es ist, «Wie Mutter» zu sein. Auch wenn viele das bestreiten werden.

1 Kommentar:

Katharina hat gesagt…

Nein, gekaufter Babybrei ist nicht in Ordnung, das Geld investiert man definitiv besser in Pralinen!

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