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Vor laufender Kamera





Wie trauert man um ein ermordetes Kind? Privat oder öffentlich?

Newtown. Der Begriff für den absoluten Horror. Wie «Tsunami» oder «911». Das Städtchen in Connecticut erlebte am Freitag den Weltuntergang, eine Woche vor dem des Mayakalenders.

Auch für uns, auf der anderen Seite des Atlantiks, ist es schwierig, die Bilder der traurigen Kinder und bestürzten Eltern sind kaum auszuhalten. Doch wir zappen nicht weg. Nicht, dass es etwas nützen würde, aber das Gefühl, den verwaisten Eltern auf diese Weise zur Seite zu stehen, ist irgendwie tröstlich. Wir bleiben auf Sendung, sozusagen.
 
Bis zu dem Zeitpunkt, wenn der erste Vater ans Mikrophon kommt. Jeder, der selber Kinder hat, kann sich – wenn auch nur theoretisch – vorstellen, was es heisst, eben diese zu verlieren. An einen psychisch gestörten Amokläufer. Grausam. Auch darf sich wohl niemand anmassen, zu sagen, wie man diesen Verlust betrauern soll.

Dennoch. Geht es nur mir so, oder hat es immer etwas dubioses, wenn nur Stunden nach einer solchen Tragödie der erste Vater, die erste Mutter, vor die Kameras tritt und seiner Trauer vor der gesamten Welt Ausdruck verleiht? Es ist wunderbar, wie Robbie Parker seine verstorbene Emilie beschreibt. Natürlich war sie ein fröhliches Mädchen, ein Sonnenschein, intelligent und geliebt. Auch ist es beeindruckend, dass der Dreissigjährige an die Familie des Täters denkt, für die es nicht minder schwer ist, das Ganze zu verkraften. Doch warum vor laufender Kameras? Warum nicht beispielsweise als Brief in einer nationalen Zeitung? Und sind die persönlichen Familienbilder nötig, um die Tragik dessen, was geschehen ist, zu messen? Ich will damit nicht sagen, dass er nicht wirklich trauert, doch ich kann nicht anders, als bei solchen Szenen – seine Rede geht zur Zeit um die Welt – an Andy Warhol zu denken. Der sagte angeblich: «Jeder wird eines Tages 15 Minuten Ruhm erfahren haben.»
Könnten Sie an die Öffentlichkeit treten, gerade einmal 48 Stunden nach einer solchen Tragödie? Ich nicht.

Kommentare

bliblablubb hat gesagt…
Ich glaube wirklich nicht, dass irgendjemand der nicht ebenfalls in so einer Situation war, sich anmaßen sollte darüber zu urteilen.
Das ist so ähnlich wie in diesem Buch "Vier minus drei". Die Mutter wurde gefragt, wie kannst du nur weiterleben. Gute Frage, aber sollen wir uns in so einem Moment alle umbringen.
Wo ist der Unterschied zwischen einen Brief und einer öffentlichen Ansprache? Das ist für jeden anders.
Ich glaube wirklich nicht, dass es hier um Ruhm geht.
Floor hat gesagt…
ich denke auch, dass es in keinem fall um ruhm geht. die beteiligten wurden regelrecht belagert von den medien, für ein statement, eine aussage und nicht zuletzt auch solche auflagensteigernden reden.

der "fehler" (wenn er denn als solcher zu sehen ist, letztendlich soll gerade ein betroffener elternteil sich äussern dürfen) einzig und alleine bei den medien. ein elternteil ist in dem moment nicht gerade in der lage, solche entscheidungen zu treffen.

zudem finde ich, sollte man schon einberechnen, dass es sich um amerika handelt. die eingespielten familienfotos, obama der von seinem gebrochenen herzen spricht, usw usf. es ist nicht unser stil und mag uns auch sauer aufstossen. was uns aber meiner meinung nach nicht dazu bringen sollte, diese menschen als mediengeil zu empfinden.
floor.tanner hat gesagt…
ich denke auch, dass es in keinem fall um ruhm geht. die beteiligten wurden regelrecht belagert von den medien, für ein statement, eine aussage und nicht zuletzt auch solche auflagensteigernden reden.

der "fehler" (wenn er denn als solcher zu sehen ist, letztendlich soll gerade ein betroffener elternteil sich äussern dürfen) einzig und alleine bei den medien. ein elternteil ist in dem moment nicht gerade in der lage, solche entscheidungen zu treffen.

zudem finde ich, sollte man schon einberechnen, dass es sich um amerika handelt. die eingespielten familienfotos, obama der von seinem gebrochenen herzen spricht, usw usf. es ist nicht unser stil und mag uns auch sauer aufstossen. was uns aber meiner meinung nach nicht dazu bringen sollte, diese menschen als mediengeil zu empfinden.

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