Freitag, 12. August 2011

Sommer-Best-Of: Mutterschafts"urlaub"

Und sie war weg. Vier Monate mussten wir auf die wöchentliche Kolumne von Michèle Roten im Magazin verzichten. Denn sie hatte Urlaub. Mutterschaftsurlaub. Dass dieser nichts, aber auch gar nichts, mit Ferien zu tun hat, wusste sie noch nicht. Wir haben sie aufgeklärt, damals. Gaga ist sie trotzdem, wie sie im Magazin von letzter Woche schreibt. 

Wie hatte ich mich doch gefreut, als ich hörte, Michèle Roten sei schwanger. Sie, deren kaltschnäuzige, sprachlich grenzwertige Kolumne ich seit Jahren im Magazin jeden Samstag mit Spannung erwarte. Wie habe ich mich gefreut, ihre Schwangerschaft und vor allem ihre Mutterschaft in genau dieser Sprache zerpflückt zu sehen. Ich wollte lesen, wie sie diesem Phänomen, das wir uns alle antun, dieses Abenteuer "Kinderkriegen" auseinander nehmen und kein gutes Haar daran lassen würde. Ich witterte schon tolles Material für rabenmutter.ch. Das war wohl nix.

Einerseits warnte sie schon vor ein paar Wochen, sie würde genau einmal über ihre Schwangerschaft schreiben und dann nie wieder. Schade, denn auch jener Text war gelungen wie viele vor ihm. Andererseits hat sie sich letzte Woche als Kolumnistin verabschiedet. In den Mutterschaftsurlaub.

Urlaub? Wer bitte hat dieses Wort in Verbindung mit Mutterschaft in Umlauf gebracht? Ferien? Das verbinde ich mit Palmen, Strand, Meer, langen Abendessen und noch längeren Gesprächen. Ein schönes Hotelzimmer und spontan entschiedene Tagesausflüge. Und mit Schlaf. Viel Schlaf.

Also nochmal: Mutterschaftsurlaub? Frau Roten sollte aufgeklärt werden. Die Wahrheit muss ans Licht kommen. Denn Mutterschaftsurlaub hat so viel mit Ferien zu tun wie Stillzeit mit still. Oder Co-Sleeping mit Schlaf. Wer hat diese extrem irreführenden Begriffe eigentlich geprägt? Das Baby-Marketing? Damit wir trotzd allem, was es mit sich bringt, weiterhin brav Kinder zeugen?

Mutterschaftsurlaub bedeutet eigentlich bloss Urlaub vom Job. Ausser, dass einem nach vier Monaten Mutterschaft der Job wie Urlaub vorkommt. Könnt ihr mir folgen? Ein Tag mit Säugling (oder noch schlimmer, zwei oder mehr Kindern) ist im Vergleich zu einem Tag im Büro wie Bootcamp im Vergleich zu Wellness. Denn im Büro kann man ganz alleine auf's Klo, niemand würde es wagen, etwas von dir zu wollen, wenn du auf der Toilette sitzst. Und das mit einem ohrenbetäubendem  Geschrei. Auch würde ein Arbeitskollege nicht wollen, dass du ihm den Po wischst, wenn er gerade Caca gemacht hat - gefühlte zwölf Mal im Tag. Und wenn die Mitarbeiterin Bauchschmerzen hat, schreit sie ebenfalls nicht durch die Gegend, damit du ihre Blähungen stillst. Ganz abgesehen davon, dass der Chef im Büro selber sein Mittagessen holt und zu sich nimmt. Ach ja, und die frische Luft holen sich die Kollegen auch selber, wenn sie wollen, du brauchst sie nicht bei jedem Wetter durch die Gegend zu schieben! Und last but not least: Arbeitskollegen rauben dir keinen wertvollen Schlaf!

Ich freue mich also jetzt schon auf die Rückkehr von Michèle Roten, wenn sie ihren "Urlaub" frühzeitig beenden wird. Und viel mehr als erwartet über ihre Mutterschaft schreiben wird. Wetten?

P.S. Wette gewonnen! Windelgespräche und Babyratgeber. Willkommen in unserer Welt, Michèle!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

bestimmt :)

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