Donnerstag, 18. August 2011

Sommer-Best-Of: 40 Jahre Frauenstimmrecht - hat's was gebracht?


Seit 1971 hat sich vieles geändert. Vieles?

Heute vor 40 Jahren erklärten sich die Schweizer nach langem Kampf bereit, ihren Frauen das Wahl- und Abstimmungsrecht zu gewähren. Fast achtzig Jahre nach Neuseeland betrat die Nation Neuland. Sind die Befürchtungen von damals eingetroffen? Haben Frauen die Überhand gewonnen? Sehen wir uns das mal an:

40 Jahre danach...

... haben wir einen überwiegend weiblichen Bundesrat. Seit der Wahl Simonetta Sommarugas 2010 kippte das Zünglein an der Waage in Richtung Weiblichkeit. Noch vor wenigen Jahren war das undenkbar und die Tatsache, dass über die vier Damen im Bundesrat so oft debattiert wird, zeigt, dass es noch lange nicht zur Normalität gehört. Ob der hohe Frauenanteil unser Land weiterbringen wird, steht hingegen noch offen.

... meiden trotz weiblicher Regierung gerade die Frauen die Urne und gehen ungern wählen. «Weil es zu kompliziert und aufwändig ist, sich zu informieren.» Meine Damen, im Zeitalter von Google und iPad gibt es einfach keine Ausrede mehr: One woman, one vote!

... träumen wir immer noch von Lohngleichheit. Trotz neuer Bundesgerichtsentscheide zugunsten von Klägerinnen, verdienen Frauen in der Schweiz noch immer knapp 20% weniger als ihre männlichen Kollegen.

... sind die meisten Väter immer noch Schönwetterpapis. In Haushalten mit Kindern unter 15 Jahren sind immer noch acht von zehn Frauen für Kind und Küche verantwortlich. Das sind zwar zehn Prozent weniger als noch vor zehn Jahren, von Gleichberechtigung kann aber nicht die Rede sein.

... wird die Schwangerschaft v.a. öffentlicher Frauen immer noch als Störfaktor ihrer Kompetenzen angesehen. Schafft sie es, gleichzeitig Mutter und gute Politikerin zu sein oder hütet sie eben doch lieber Heim und Herd? Jüngstes Beispiel in Deutschland mit Frau Schröder, Familienministerin. Wie sie es auch macht, es kann nur falsch sein. Sollte Herr zu Guttenberg demnächst weitere Kinder wollen, würde wohl kein Hahn danach krähen.

...dürfen Frauen alles, was Männer auch dürfen, ohne deren Einwilligung. Was für meine Generation selbstverständlich klingt, war vor 1971 gesetzeswidrig. Ehemänner mussten ihren Frauen den Job bewilligen, ein Mietvertrag war nur gültig, wenn er vom Ehemann unterschrieben war und einen Führerausweis erhielt Frau auch nur mit Schatzis Erlaubnis. Ausserdem gilt heute das Schlagen der eigenen Ehefrau nicht mehr als Kavaliersdelikt. Schöne, neue Welt!

... sind die grössten Feinde der Frauen immer noch die Frauen selber.
So wie vor siebzig Jahren viele Frauen das Stimmrecht ablehnten, so werden Frauen heute von anderen Frauen kritisiert, belächelt oder sogar gemobbt. Es sind Frauen, die am lautesten gegen eine Frauenquote in Unternehmen rufen, es sind Mütter, die gewisse Erziehungsprinzipien anderer Mütter in Büchern und Artikeln kritisieren. Das Wort Frauensolidarität muss demnach ein Mann erfunden haben.

... wird heute zwischen Ehepartnern alles verhandelt: Die Jobverteilung, die Aufteilung des Haushaltes, das Hüten der Kinder. Das macht die Ehe zwar nicht einfacher, aber ein Mitspracherecht in ALLEN Lebensbereichen ist die einzige ernstzunehmende Form der Demokratie. Und Demokratie fängt eben zu Hause an.

Seit dem 7. Februar 1971 sind 40 Jahre vergangen, in denen sich viel verändert, aber auch vieles gleich geblieben ist. Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an!

1 Kommentar:

Doris hat gesagt…

Damit noch mehr weitergeht, verschenke ich an alle Männer in meinem Umkreis sehr gerne das Buch "Die Söhne Egalias" von Peter Redvoort - ein absolut "profeministisches" Buch!

Doris

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