Nie wieder WWF Tipilager!

Das erste Sommerlager für unseren Grossen. Nicht nur das
Wetter machte nicht mit....
Unser Grosser wollte sich diesen Sommer – nachdem wir
letztes Jahr den Anmeldetermin verpasst hatten – unbedingt für das
WWF-Tipilager anmelden. Wie die Indianer leben, schlafen, Werkzeug bauen und
Schmuck basteln, hiess es in der schön gestalteten Broschüre.
Er freute sich seit Monaten darauf. Und wir freuten uns mit
und für ihn. Einzig die Tatsache, dass sich – trotz umfangreicher Unterlagen - die Lagerleitung mit keinem Wort
vorstellte, fanden wir etwas befremdend. Für jedes der zahlreichen Lager, die
mein Mann in seiner Hockey-Karriere leitete, gab er eine Liste der gesamten
Leitung mit, damit die Eltern eine leise Ahnung haben, wem sie ihre Kids
anvertrauen. Diese Lagerleitung befand das – trotz schriftlicher Nachfrage
unsererseits – nicht für notwendig. Doch unser Grosser freute sich viel zu
sehr, als dass wir ihn deswegen nicht hingeschickt hätten. Es war ja auch nicht
sein erstes Lager, er war bereits mit der Tagesschule zwei Jahre hintereinander
gereist. So etwas wie Heimweh kannte unser Sohn nicht. Bis jetzt. Aber der
Reihe nach.
Da wir – also ich – eher neugieriger Natur sind, habe ich
mit dem Lagerleiter und meinem Sohn vereinbart, dass er uns mal anrufen solle,
einfach um zu hören, wie es ihm geht, was sie so unternehmen etc.
Also stieg der Sohnemann gespannt und sehr positiv
eingestellt, am Sonntagmorgen in den Sammelbus. Soweit, so gut.
Da wir vereinbart hatten, er würde uns Mitte Woche anrufen,
wurde ich Mittwoch schon etwas ungeduldig. Nach einem SMS an den Lagerleiter
rief uns dieser an. Luc habe abends etwas Heimweh und er glaube, es sei keine
gute Idee, uns anzurufen. Das mache das Heimweh nur schlimmer. Hmmm. Natürlich
musste ich ihm Recht geben. Worauf ich ihn bat, den Kleinen dennoch zu fragen,
ob er anrufen möchte oder lieber nicht.
Kurze Zeit später kam wieder ein Anruf (und jedes Mal hoffte
ich, es sei endlich mein Kind!). Der Leiter versicherte mir, meinem Sohn ginge
es besser, er wolle dennoch lieber nicht anrufen, aus Angst, es würde ihm
danach wieder schlechter gehen.
Schon diese Aussage ist für eine Mutter nicht einfach, doch
musste ich natürlich den Wunsch meines Kindes akzeptieren. Auch am nächsten Tag
wollte er gemäss Aussage des Lagerleiters lieber nicht mit uns telefonieren,
worauf wir einfach ausrichten liessen, er könne uns jederzeit erreichen, sollte
er seine Meinung ändern. Ich tat mich etwas schwer damit, bis Ende Woche nichts
von ihm zu hören, musste mich aber damit abfinden.
Es kam kein Anruf mehr, weder vom Kleinen, noch von der
Lagerleitung. Woraus wir schlossen, dass das Heimweh vergessen war. Bis
Samstag, als wir ihn endlich am Busbahnhof abholen durften. Er stieg strahlend
aus dem Bus und umarmte uns stürmisch. Er sei „sooo froh, endlich daheim zu
sein!“. Ob das Lager denn nicht gut gewesen sei, hakten wir nach. „Es war der
Horror! Ich hatte solches Heimweh und durfte euch nicht einmal anrufen!“. Wie
bitte? Wir haben doch angerufen, aber du wolltest ja nicht ans Telefon! Grosses
Fragezeichen im wettergegerbten Gesicht (es hat die ganze Woche in Strömen
gegossen). „Das wusste ich nicht. Niemand hat mir gesagt, dass ihr angerufen
habt, der Lagerleiter hat gar nie mit mir gesprochen. Und als ich gefragt habe,
sagte die 18-jährige Leiterin, ich dürfe nicht zu Hause anrufen, sonst werde
das Heimweh schlimmer.
Kurz: Ich bin ausser mir. Es ist das erste Mal, dass eine
Betreuungsperson mich anlügt. Es ist auch das erste Mal, dass sich mein sonst so
fröhlicher und sozialer Sohn derart unwohl gefühlt vor Heimweh weint. Das erste
Mal, dass ich erlebe, wie wenig Respekt einem Kind entgegengebracht wird. Das
Schlimmste für ihn war aber, dass ein Gspönli sehr wohl anrufen durfte und er
nicht, was erst recht keinen Sinn macht.
Da wir seither niemanden von der Lagerleitung erreichen
können, habe ich bis heute kein Feedback erhalten. So muss ich davon ausgehen,
dass der Leiter einen Imageschaden vermutete, wenn wir unser Kind vielleicht aus
dem Lager geholt hätten. Denn darauf wäre es hinausgelaufen, der Kleine wollte
gemäss eigenen Aussagen schon seit Dienstag nach Hause. Aber das hätte dann
vielleicht andere Kinder animiert, das Lager ebenfalls zu verlassen. Oder wie
sonst erkläre ich mir die Art und Weise, die Wünsche eines 10-jährigen und
seiner Eltern derart zu ignorieren?
Der WWF organisiert anscheinend ganz tolle Lager, wir hatten
wohl nur Pech. Aber riskieren würden wir es nicht mehr. Zumindest bis die
Lagerleitung dieses speziellen Lagers ihren Dilettantismus abgelegt hat.
Welche Erfahrungen habt ihr mit Ferienlagern gemacht?
Kanntet ihr die Leiter jeweils? Durften die Kids zu Hause anrufen?
Kommentare