Donnerstag, 9. Dezember 2010

Darf man das, nur weil man's kann?

Dolly war auch machbar. Aber vertretbar?
Darf eine Frau mit 64 noch ein Kind haben? Juristisch ja. Moralisch?

Dürfen Homosexuelle Kinder haben? Paare mit unterschiedlichen Religionen, Hautfarben, Nationalitäten? Und wie ist es mit Junkies? Darf eine Frau kein Kind haben, weil man davon ausgeht, sie würde seinen zwanzigsten Geburtstag nicht mehr erleben?

Ich hatte jetzt ein paar Tage Zeit, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Meine erste Reaktion auf die Nachricht war dieselbe, wie die der grossen Mehrheit: Nein! Das arme Kind!

Aber ich habe ja auch eine tolerante Seite. Die flüstert mir zu, es ginge mich ja wohl nichts an, ob und wann jemand ein Kind in die Welt setzt. Und in solchen Fällen scheint das Kind zumindest ein Wunschkind zu sein, also wer bin ich, das zu verurteilen?

Trotzdem: Muss das sein? Ich bin die erste, die den Kinderwunsch nachvollziehen kann, ich hätte mir ein Leben ohne nicht vorstellen können. Nun hatte ich das Glück, im richtigen Alter den richtigen Mann kennenzulernen. Ich musste mich nie mit künstlicher Befruchtung und Hormonbehandlungen auseinandersetzen. Nie musste ich mir überlegen, ob ich vielleicht schon zu alt sei, um ein Kind auszutragen. Nicht einmal meine biologische Uhr habe ich je lauter als meinen Wecker ticken hören. Ich habe also keine Ahnung.

Was bringt eine Frau wohl dazu, im Alter einer Grossmutter noch einen Säugling haben zu wollen? Im Alter, in dem andere ihre Rente geniessen, lange Waldspaziergänge machen, im Chor singen oder fremde Länder bereisen, besteht diese Frau auf Schlafmanko, Geldmangel und Freiheitsentzug. Wieso bloss?

Ohne je ein Medizinstudium abgeschlossen zu haben, gehe ich jedoch davon aus, dass es die Wechseljahre aus einem guten Grund gibt, evolutionstechnisch gesehen. Ab einem gewissen Alter macht Fortpflanzung einfach keinen Sinn mehr. 2006 brachte in Spanien eine 67-jährige Frau ein Baby zur Welt, dessen dritten Geburtstag sie schon nicht mehr erlebte. Darf man das? Darf man einem Kind die Möglichkeit nehmen, die Volljährigkeit zusammen mit den Eltern zu feiern? Vielleicht sogar die eigene Hochzeit oder Enkelkinder?

Die Gesetze in der Schweiz verbieten die künstliche Befruchtung in solchen Fällen, wohl nicht umsonst. Diese späten Schwangerschaften finden immer dank businessorientierten Fruchtbarkeitskliniken im Ausland statt. Doch muss etwas, bloss weil es medizinisch machbar ist, auch erlaubt werden?

Ich finde nicht. Und ihr?

1 Kommentar:

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Für mich käme eine Schwangerschaft/Geburt in fortgeschrittenem Alter auch nicht in Frage. Kinderkriegen im Pensionsalter finde ich egoistisch, eine Art von Selbstverwirklichung und Torschlusspanik finde. Sorry, wieso muss es denn gerade mit 60+ sein? Ich verstehe einfach nicht, wieso Paare erst in diesem Alter auf den „Geschmack“ kommen, während sie es während 30 Jahren (15 – 45) nicht taten? Im Fall der 64jährigen Schweizerin bin ich überzeugt, dass es ein absolutes Wunschkind ist (sonst hätte sich die Frau nicht den Strapazen unterzogen!) und dieses Kind heiss und innig geliebt wird. Keine Frage, dem Mädchen fehlt es weder an Liebe, Wärme und Geborgenheit, zumindest momentan – doch wie lange noch? In ein paar Jahren werden die Eltern sterben, ist nun leider mal so. Das Baby wird dann Jugendliche in der Pubertät, eventuell junge Erwachsene sein und muss mit dem für seine Verhältnisse frühen Tod der Eltern klarkommen. Die Natur stellt nicht umsonst ab einem gewissen Alter die „natürliche Babyproduktion“ ein – die Wechseljahre kommen nicht „einfach so“ und haben ihre Gründe… Nur schade, wollen das einige nicht wahrhaben!

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