Freitag, 12. November 2010

Mutter Natur letztes Wort

Wie viele Kinder sind genug? Eigene, meine ich. Und was, wenn Mutter Natur anderer Meinung ist als ich?

Letzte Woche wachte ich sehr früh morgens auf, weil mir unglaublich schlecht war. Ich hatte nichts Spezielles gegessen, noch war mir ein Virus bekannt, der zur Zeit die halbe Bevölkerung zur Schüssel treibt. Und da schoss mir völlig unerwartet die Möglichkeit durch den Kopf, ich könnte schwanger sein. An einschlafen war dann nicht mehr zu denken.

Wir sind sehr glücklich mit unseren zwei Kindern. Für mich als Einzelkind war es immer klar, nicht bei nur einem aufzuhören, mehr als zwei wollte ich mir aber auch nie antun. Zur Zeit sind die Töchter unserer Freunde bei uns zu Besuch, alles wunderbar, wir haben Spass, aber es ist auch schön, sie in ein paar Tagen wieder abgeben zu können.

Doch was, wenn uns Mutter Natur trotz sicherer Verhütung (so sicher sie halt zu haben ist) ein Schnäppchen schlägt? Wie würde ich, wie mein Mann reagieren, wenn ich wirklich wieder schwanger wäre?

Denn als Frau ist es doch so, dass man sich insgeheim freut, wenn der Körper so gut "funktioniert". Schwangerschaftstests als junge Frau machten einen zwar nervös, hinter der Erleichterung darüber, nicht mit 20 Mutter zu werden, steckte bei mir jedoch immer auch etwas Enttäuschung, dass mein Körper "versagt" hatte.

Ich war nie gegen Abtreibung. Selber hätte ich eine Abtreibung zwar nur in Betracht gezogen, wenn die Umstände untragbar gewesen wären. Meine Familie hätte mich auch als junges Mädchen unterstützt und ich war optimistisch (oder naiv) genug, um ein Leben unter erschwerten Bedingungen in Angriff nehmen zu wollen.

Nun kenne ich Frauen, die einen Schwangerschaftsunterbruch in Kauf nahmen und heute noch unter den Spätfolgen, ob physischer oder psychischer Natur, leiden. Die Gründe für den Schwangerschaftsabbruch waren vielfältig und bei allen nachvollziehbar: Zu jung, nicht verheiratet (vor zwei Generationen war das ein schwerwiegendes Kriterium) oder einfach weil der Bettgefährte als Vater nicht sehr viel versprach, hatte er sich doch bereits „am Morgen danach“ vor Sonnenaufgang aus dem Staub gemacht. Ich bin seither auf jeden Fall der Ansicht, dass jede Frau selbst entscheiden darf, ganz nach dem Feministen-Leitsatz „Mein Bauch gehört mir!“.

So haben wir uns entschieden (in unserem Fall gehört mein Bauch eben uns und nicht nur mir), uns mit zwei Kindern zu begnügen. Davon zeugt auch unser frisch gekauftes Haus, das genau zwei Kinderzimmer hat. Das Büro/Gästezimmer, welches massgeblich zum Kauf des Hauses beitrug, wollen wir eben auch in den nächsten Jahren als solches nutzen, bevor wir zu altersschwach sind, die Treppe zu meistern. Ich weiss selber, wie oberflächlich das klingt, aber ein weiteres Kind hätte bei uns sprichwörtlich keinen Platz.

Dennoch... Eine Abtreibung, wenn man bereits zwei Kinder in die Welt gesetzt hat? Zwei wunderbare Kinder, die einen täglich zum Schmunzeln bringen, zu Tränen rühren und ja, auch, zum Wahnsinn treiben? Kinder, die einem beigebracht haben, das Leben ganz anders zu sehen und die einen jede Sorge für fünf Minuten vergessen lassen, weil sie einfach das wunderbarste Lachen haben? Die einen ziemlich anderen Menschen aus mir gemacht haben, in dem Moment, indem ich ihnen zum ersten Mal in die Augen blicken durfte?

Könnte ich ein weiteres Kind einfach nicht austragen, weil es nicht mehr in unser Lebenskonzept passt? Ich bezweifle es. Und doch bin ich froh, dass mir seither nicht mehr schlecht war.

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