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Die guten alten Väter

Neue Väter, wo man hinschaut! Und was ist mit den alten?

So, jetzt muss ich es mal loswerden. Ich kann es nicht mehr hören! Überall laute – oft weibliche – Stimmen, welche die sogenannten „neuen“ Väter rühmen, Loblieder singen und den Teilzeit-Familienalltag seitens der Männer als einzig wahre Lebensweise hochstilisieren. Wochentagväter, Stay-Home-Daddys, Vollzeitpapas und wie sie sonst noch genannt werden sind die neuen Frauenhelden. Michael Mittermeier schrieb sogar ein Buch über sein Leben als „Windelman“.

Wie immer bin ich der Meinung, wenn es für die Familie das richtige Modell ist, bitteschön. Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden. Was mich dabei stört ist die unterschwellige sehr hoch gesetzte Latte, die den „alten“ Vätern das Gefühl gibt, familientechnische Versager zu sein.

Uns Frauen geht es schon lange so. Sobald wir uns die Frage stellen, was eine gute Mutter eigentlich ist, wird uns bewusst, dass man es niemandem Recht machen kann. Und nun sind offenbar die Männer dran. Wer in den Achtzigern noch als Softie beschimpft wurde, weil er die Wäsche wusch und die Kinder zum Arzt begleitete, ist heute erst ein guter Vater.

Der Umkehrschluss ist demnach, dass ein Vollzeit arbeitender Vater, der gar Überstunden schiebt, ein schlechter Vater ist. Er verbringt ja viel weniger Zeit mit seinem Nachwuchs als er das eigentlich sollte.

Nun will ich natürlich nicht leugnen, dass es da draussen leider viele Väter gibt, die sich viel zu wenig einbringen und für die ihre Kinder lediglich eine Wochenendbeschäftigung darstellen. Aber es gibt eben auch die anderen und Sie ahnen es schon, einer von denen ist der Vater meiner Kinder.

Unser „Wochenendpapi“ ist eben kein Schoggipapi, der die Kinder in seiner Freizeit links liegen lässt oder noch schlimmer, verwöhnt. Er ist auch keiner, der die gesamte Erziehung der Mutter überlässt. Und schon gar nicht ist er einer, der zuhause nichts tut, bloss weil er mehr Lohn nach hause bringt.

Unser „alter“ Vater ist deshalb ein guter Vater, weil er

- mitdenkt, wenn es um die Organisation von familiären Angelegenheiten geht
- den Stundenplan seiner Kinder genauso gut kennt wie Mami
- schaut, dass er die Zeit, die er mit ihnen hat, auch nutzt
- jedoch immer durchgreift, wenn es nötig ist
- mit ihnen Sachen unternimmt, für die Mami weder Zeit noch Lust hat
- sich bei seiner Frau nicht selten für ihren Einsatz bedankt
- einfach die besseren Geschenke für seine Kinder aussucht
- sich sorgt
- nicht nur im Notfall hilfsbereit zur Stelle ist und wichtige Sitzungen absagt
- nicht (nur) aus Freude 100% arbeitet, sondern weil er gerne für seine Familie sorgt, eben auch finanziell
- uns täglich zu verstehen gibt, dass wir das Beste sind, was ihm passiert ist
- er der beste Vater ist, den sich Kinder wünschen können (als Ehemann ist er übrigens auch nicht schlecht).

Zu Weihnachten wünsche ich mir deshalb, dass die Gesellschaft nun nicht auch noch die Väter mit Selbstzweifeln überhäuft. Liebe Väter, wenn Sie es wirklich wollen – und Ihre Frauen Sie lassen – sind Sie mit Sicherheit gute Väter, egal, ob quantitativ oder qualitativ präsent.

Was mein ihr? Darf man heute als Vater überhaupt noch 100% arbeiten? Oder ist nur der neue Vater ein guter Vater? 


Und wie's der Zufall manchmal will: Die Wünsche der Väter im neuen wir eltern.

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