Donnerstag, 7. März 2013

Bis zum Umfallen



Frau, Mutter und mehr als 2 Tage die Woche erwerbstätig? Die Schweiz ist davon noch weit entfernt. 


So sehr der Familienartikel im Vorfeld der Abstimmung diskutiert wurde, so sang und klanglos verschwand er aus den Medien. Bis heute.

Morgen ist internationaler Frauentag und in vielen Ländern steht es schlecht um die weibliche Hälfte der Menschheit. Viele Länder sehen Frauen nicht als vollwertige Menschen, Vergewaltigung und sexuelle Belästigung sind vielereorts an der Tagesordnung, fundamentale Rechte werden ihnen abgesprochen und immer noch verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Aber wir leben ja in einer Demokratie, wo die gleichen Rechte und Pflichten für alle Menschen gelten, richtig? Falsch! Nicht, weil der Staat das verhindert, sondern weil wir selber Fehler machen. So wie Sabine R., Mathematikerin und Mutter zweier Kinder dies heute im «Tages Anzeiger» beschreibt.

Ihr Leben nach dem Studium hatte sie sich anders vorgestellt, die Abmachungen mit ihrem Mann waren klar: Er wollte Kinder, sie nicht unbedingt, aber er versprach ihr, sich die Aufgaben mit ihr zu teilen. Er arbeitet 100% ausser haus, sie 80%. Doch die Aufgaben werden nicht lange geteilt, schliesslich hat er einen wichtigen Posten. Nach zehn Jahren Doppelbelastung gibt Sabine R. ihren geliebten Job erschöpft auf und warnt junge Frauen davor, in die Frauenfalle zu tappen.

«Ausgerechnet sie, die als Frau in einer Männerdomäne nie Diskriminierung erfahren hatte, musste irgendwann feststellen, dass die Geschlechter mitnichten als gleichwertig wahrgenommen werden: «Gleichberechtigung war für mich selbstverständlich, ich kannte es nicht anders. Sobald ich Mutter wurde, verstand ich, dass dem nicht so ist. Mit einem Mal spielte meine Biologie eine Rolle. Mit einem Mal stand fest, dass ich für gewisse Aufgaben zuständig sein sollte, und nicht mein Mann. Es wurde von mir ganz allgemein mehr Verzicht, mehr Verständnis, mehr Grosszügigkeit und mehr Anpassung gefordert, nicht nur von meinem Mann, sondern auch von meinem Umfeld.» So war das nicht geplant gewesen.»

Bis sie permanent am Limit lief und heute jungen Frauen erklärt: «Macht euch keine Illusionen. Für Mütter gelten andere Regeln als für Väter.» Am Ende bleiben die kleinen Sächelchen, die es zu erledigen gibt, nämlich immer an den Müttern hängen. Wenn man sein Leben nicht mit diskutieren und verhandeln verbringen wolle, laufe es immer darauf hinaus, dass Frau alles selber macht, auch weil es schneller geht, als Papa zu erklären, wo er die Mädchenunterhosen für die Tochter kaufen soll und in welcher Grösse. Kommt Ihnen das bekannt vor? Mir auch.

In der Tat sind die wenigen 80 bis 100% erwerbstätigen Frauen, die ich kenne, oft am Anschlag. Sie kommen abends erschöpft nach hause und dann gilt es noch eine vollwertige Mahlzeit auf den Tisch zu stellen, den Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte zu lesen und sie ins Bett zu bringen. Danach wird oft noch weitergearbeitet, schliesslich hat man das Büro «bereits» um 18.00 Uhr verlassen und möchte nicht, dass die Kollegen die Nase rümpfen, wenn ein Mail nicht beantwortet wurde. Und was macht Papa derweil? Nach hause kommen, essen, hinsetzen und ebenfalls weiterarbeiten. (Mütterlichen Aussagen zufolge bringt Mama die Kinder ins Bett, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil sie tagsüber nicht da war. Papa scheint dieses Problem nicht zu haben.) Klingt nach Fünfzigerjahren? Ich weiss, aber es entspricht leider meinen Beobachtungen.

Desillusionierend ist der Bericht auch deswegen, weil Sabine R. nach zehn Jahren «aufgibt». Denn ich dachte immer, mit dem höheren Alter der Kinder gäbe es auch immer weniger zu tun, so dass sich Mama wieder vermehrt auf ihren Beruf konzentrieren kann. Doch bis dahin ist bei vielen offenbar die Batterie leer.

Morgen ist internationaler Frauentag. Auch in der Schweiz. Und die ist noch weit davon entfernt, Frauen und Männer gleich zu behandeln.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Doppelbelastung und Aufgabenteilung? 50:50? oder doch 80:20?

Kommentare:

Der Oe. hat gesagt…

Immerhin teilweise muss ich Dir recht geben: Es sind die kleinen Sachensächeli, die den Alltag stressig machen.
Schwieriger finde ich die Aussage: "Am Ende bleiben die kleinen Sächelchen, die es zu erledigen gibt, nämlich immer an den Müttern hängen." Denn mal Hand aufs Herz: Wenn der Vater die Sachensächeli macht, wie viele Mütter schaffen es dann, das Ergebnis einfach so hinzunehmen und nicht anschliessend noch kontrollierend/korrigierend einzugreifen? Dass das als Mann eher mässig motivierend ist, leuchtet wahrscheinlich ein. Und so hat man als Mann die Möglichkeit, für sein Recht, Fehler zu machen kämpfen zu müssen oder aber dem Frieden zu liebe (und da es in einer Beziehung noch genug andere Baustellen gibt) das "einfach" diejenige Person machen zu lassen, die sich eh als letzte Instanz sieht....

Und um das gleich vorweg zu nehmen: Es sind selbverständlich nicht alle Mütter so und es gibt durchaus auch Väter, die den "Kleinkram" gerne abgeben. Aber das Problem ist - wie so oft - halt nicht einfach "beim Anderen". Verantwortung abgeben funktioniert halt nur dann richtig, wenn man (bzw. hier: frau) sie auch wirklich abgibt...

In diesem Sinne wünsch ich noch nen schönen Tag :)

Rosalie hat gesagt…

Ich fand den Artikel im Tagi sehr ärgerlich. Die Frau beschreibt ein - vielleicht weit verbreitetes - Beziehungsproblem, in dem es offensichtlich in manchen Bereichen so etwas wie ein Machtgefälle gibt. Das Mutter-als-Opfer-Schema finde ich eher unangebracht. Frau hat vielleicht des lieben Friedens willen nicht immer Diskutiert und ihren Mann nicht permanent aufgefordert, mitzumachen. Das war offensichtlich zu mühselig. Ich weiß das, denn ich führe solche Diskussionen auch. Aber gerade wenn beide mit der gleichen Ausbildung und Gehaltsklasse starten, ist das eigentlich eine gute Voraussetzung. Dass Mütter alles meinen übernehmen zu müssen, ist nicht immer nur die Schuld der Väter. Das möchte ich einfach mal sagen. Man kann sehr wohl Sachen aufteilen. Nicht nur ich lebe so. Und überhaupt kann Mutter den Zustand auch dann ändern, wenn er sich 10 Jahre lang eingeschliffen hat. Wer sich als Opfer sieht hat schon verloren würde ich behaupten.
Wir arbeiten beide 100%. Und das geht wohl. Und wenn's mal nicht geht, muss was geändert werden. Auch wenn's Streit gibt.

Geneviève hat gesagt…

Ich bestätige: Beide arbeiten zu 80 %. Mein Mann macht auch viel im Haushalt. Aber wir schaffen es einfach nicht... Die Sachen bleiben liegen, egal Mann oder Frau. Wir fixieren die Prioritäten, damit es den Kinder gut geht, damit wir immer etwas gutes und gesundes auf dem Tisch haben... und den Rest (staubsaugen, Fenster reinigen, putzen, ...) kommt in der Prio 2. Fini le perfectionnisme!!

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