Montag, 21. Juni 2010

Er war's!

Nun ist es also soweit: Mein Kind pflegt einen schlechten Umgang. Diese Befürchtung, die früher oder später über allen elterlichen Köpfen schwebt, ist bei uns wahr geworden. Und was tun wir? Nichts.

Denn wir erinnern uns noch zu gut an diese Verbote, über die wir uns problemlos hinwegsetzten: "Ich will nicht, dass du mit dem/der spielst, er/sie ist gemein/ungehobelt/schlecht erzogen" (bitte zutreffendes ankreuzen).

Unser Grosser spielt am liebsten mit dem, den ich am liebsten nicht kennen würde. Ich mag ihn halt einfach nicht. Jetzt könnte man einwenden, dass ich ja bekanntlich die meisten Kinder nicht mag. Richtig. Doch die anderen Freunde meiner Kinder toleriere ich. Denn sie sind anständig und ziemlich diskret. Besagter neuer Freund meines Sohnes ist jedoch vorlaut und nervig. Und hat erst noch nur Seich im Kopf.

Natürlich weiss ich, dass das Benehmen eines Kindes eigentlich nicht dessen Schuld ist. Aus pädagogischer Sicht sind immer die Eltern schuld. Hilft nicht. Er nervt trotzdem.

Nun ist ja bekannt, dass sich Kinder und Jugendliche mehr von ihren Freunden als von den Eltern beeinflussen lassen. Den Beweis dafür lieferte unser Nachwuchs gleich selber. Nachdem er gestern den ganzen Nachmittag mit eben diesem neuen Freund gespielt hatte, fiel ihm nichts besseres ein, als diesem dabei zu helfen, unseren Gehweg auseinander zu nehmen. Einen Pflasterstein nach dem anderen.

"Jungs!" dachte ich im ersten Moment, "müssen immer wissen, wie es "darunter" aussieht!" Doofe Idee, aber für mich nicht weiter tragisch. Ein mittlerer Zusammenschiss und die Sache wäre erledigt gewesen. Viel schlimmer war, dass er mir geradewegs ins Gesicht gelogen hat mit der Behauptung, das seien sie nicht gewesen. Ein mysteriöser Junge (oder Mann, darüber waren sich die Missetäter nicht einmal einig) hätte die Sache verbrochen.

Ein klein wenig stolz war ich auf die Argumentation meines Sohnes, es sei sicher ein Kind gewesen, schliesslich würde ein halbwegs vernünftiger Erwachsener so etwas nicht tun. Seit ich gelesen habe, gut lügen sei ein Beweis für Intelligenz, achte ich auf solche "schlauen" Argumentationen. Wenn schon lügen, dann bitte richtig!

Meine - natürliche, wie ich behaupte - mütterliche Reaktion auf dieses Schlamassel war: Der böse Junge hat mein Baby dazu verführt, etwas Dummes anzustellen und mich dabei erst noch anzulügen! Frechheit!

Nun bin ich dennoch selbstreflektiert genug, um zu merken, dass diese Reaktion eventuell nicht ganz objektiv ist. Auch wenn ich hier sagen muss, dass mein Sohn wirklich nicht kreativ und innovativ genug ist, sich solchen Blödsinn auszudenken. Ich weiss aus Erfahrung, dass er eher der ist, der einen Mist mitmacht, den andere suggerieren. Item. Denkt nicht jede Mutter, ihre Kinder seien eigentlich lieb und nur das Umfeld mache sie zu Lausbuben bzw. Drögelern bzw. Serienmördern? Muss ich ihm den Umgang mit seinem neuen Freund also verbieten? Oder ist das kontraproduktiv? Wenn ich so zurückdenke, dauerte meine erste Beziehung mit dem Langhaarigen trotz vehementer Gegenwehr meiner Eltern viel länger als die nächste Liebelei, bei der sie nichts einzuwenden hatten.

Also darf er seinen Freund behalten, hat aber Hausarrest. Vielleicht hilft es, wenn er ihn auf diese Weise weniger sieht... Und wenn nicht, hat er wenigstens Lügen gelernt. Wer weiss, vielleicht wird er dank dieser Gabe einmal Banker oder Anwalt?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es klingt tatsächlich nicht sehr glaubwürdig, dass dein Kleiner sich hat "verführen" lassen, auch wenn ich ihn ja nicht kenne.

Meistens ist es doch so, dass unsere Kinder draussen anders sind, als die, die wir kennen. Auch im positiven Sinn.

Hausarrest? Wie alt ist er denn? Finde ich krass, falls er jünger als 10 ist. Versteht er doch noch nicht.

Anonym hat gesagt…

Ich kann das verstehen, habe jetzt schon Angst, mit wem sich meine Buben rumtreiben werden.

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