Freitag, 9. Oktober 2009

Papa will nicht

Moderne Väter teilen alles mit ihren Frauen und Müttern ihrer Kinder. Haushalt, Kinderbetreuung, Brötchen verdienen. Keine Situation, indem er sie nicht ersetzen könnte. Ausser bei der Geburt. Und dort ist der moderne Mann ja immer dabei. Immer?

Ein Bekannter ist gerade Vater geworden. Er wollte bei der Geburt nicht dabeisein. Das sei nicht nötig, weder seine Frau noch sein Kind hätten etwas davon. Und ausserdem hätte er Angst, er würde sie danach nicht mehr attraktiv finden. Gebären sei schon immer Frauensache gewesen, wieso sollte das bei seinem Kind anders sein? Wider Erwarten ist dieser Mann noch nicht einmal vierzig. Er gehört also nicht einer Generation an, bei der man noch sagen könnte, er wisse es nicht besser. Der Zeitpunkt, in dem eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist, bildet den Anfang einer neuen Zeitzählung. Übelkeit, Müdigkeit, Schwangerschaftsmode, Frauenarztbesuche, Babyschühchen bestimmen den Rythmus ihrer Tage, Nächte, Mahlzeiten und Toiletenbesuche. Sie freut sich - oder auch nicht- und denkt auf jeden Fall jede Sekunde über die Tatsache nach, dass sie in ein paar Monaten eine Wassermelone aus ihrer golfballgrossen Öffnung pressen wird. Vielleicht hat sie Angst, vielleicht verdrängt sie die Schmerzen, die sie haben wird. Auf jeden Fall beschäftigt es sie intensiv. Und der angehende Vater? Der kriegt weder einen dicken Bauch (obwohl es da ja Ausnahmen geben soll), noch Wassereinlagerungen, und schon gar nicht muss er sich überlegen, ob und wie lange er stillen wird. Für ihn ist alles Theorie. Anfangs sieht man ja nicht einmal etwas. Die Frau ist immer noch dieselbe, nur dass sie jetzt dauernd von diesem Alien spricht, der angeblich in ihrem Bauch schwebt. Eigentlich wird das ganze "Wir kriegen ein Baby" doch erst mit der Geburt real. Weshalb es mir eben ein Rätsel ist, dass es heute immer noch Männer gibt, die das verpassen möchten. Oder liege ich falsch? Was bringt es dem zukünftigen Papa, wenn er mitkriegt, wie seine Liebste vor Schmerzen schreit und nach ein paar Stunden hysterisch "ich kann nicht mehr, holt es raus" heult? Vielleicht nichts. Aber vielleicht ist es das schönste Erlebnis seines Lebens.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Vielleicht hat er nicht Unrecht, dieser Vater. Oft sind Männer bei der Geburt nicht zu gebrauchen oder sie nerven geradezu. Ich hätte auch lieber meine beste Freundin dabeigehabt, gesellschaftlich hätte man mich dann aber wohl sehr schief angesehen. Eigentlich ist es nicht so wichtig, sobald die Kinder nämlich da sind, fragt ja niemand mehr danach.

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