Donnerstag, 20. Oktober 2016

Beruf: Mutter?



Bist du Mutter? Wann wurdest du das letzte Mal gefragt, was du im Leben machst? Lange her, wie?

Vor Kurzem waren wir bei Freunden in Frankreich, wo wir viele neue Leute kennenlernten. Bei diesen Gesprächen mit Menschen, denen ich vorher noch nie begegnet bin, war irgendetwas anders, lange konnte ich aber nicht sagen, was es war.

Die Gespräche verliefen anders, spannender, vielseitiger. Erst als wir am ersten Abend müde ins Bett fielen, ging mir ein Licht auf. Man wird von anderen Eltern (denn die meisten hatten Kinder) gefragt, was man im Leben mache. Männer UND Frauen! Nicht nur «wie viele Kinder, wie alt und wo wohnt ihr?». Nein, auch «Und was machst du im Leben?». Nicht «und was machst du SONST im Leben?», als wäre Kinder haben ein Job. Die Frage bezieht sich auf deine Tätigkeit in deinem Leben. Denn das Leben besteht bei den Franzosen eben nicht aus Eltern sein.
Eltern sein ist ja einfach ein Zustand. Wie blond sein. Oder sportlich sein. Das ist kein Job, kein Beruf. Für manche ist es eine Berufung. Zu denen gehören wir aber nicht, weder wir noch unsere Freunde. Und offenbar auch nicht diese neuen Leute, die uns da vorgestellt wurden. Finde ich persönlich sehr sympathisch.
Denn es geht natürlich, eine Weile über die Kids zu plaudern. Ist ja auch ganz lustig der Nachwuchs. Aber eben: Das Thema ist nicht abendfüllend. Die Tatsache, dass ich so verwundert darüber bin, dass man mich als Mutter danach fragt, was ich im Leben mache, sagt viel über die Kultur hierzulande aus. Die Mutter-Kultur vor allem. Väter werden auch an hiesigen Parties gefragt, was sie im Leben machen. Da werden gar Business-Tipps und Visitenkarten ausgetauscht. Nicht selten hat mein Mann als Freelancer so neue Aufträge reingeholt.

Ich auch. Vor den Kindern. Seit ich Mutter bin, ist es nicht so, dass ich nicht gerne über meinen Beruf reden würde, im Gegenteil! Es fragt mich nur keiner danach! Ausser an so definierten Networking-Events, ist mir schon lange keine andere Mutter, kein anderer Vater begegnet, der mich bspw. am Elternabend oder Dorffest fragt, was ich tue. Oder die, die es schon wissen, wie das Geschäft laufe.
Für viele bin ich einfach die, die mit ihrer Firma ihr Ego auslebt (auf Kosten des Ehemannes) und ihren eigentlichen Job, nämlich «Mutter sein» vernachlässigt. Dann tut es schon gut, Gleichgesinnte zu treffen, die sich für dich als Frau, als Mensch interessieren und nicht nur die Mutter deiner Kinder in dir sehen. Oder was meint ihr?

Dieser Text erschien erstmals auf wireltern.ch

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