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Staatshilfe für Bedürftige?



Wie eine Zeitung versucht, Gleichstellungs-Versuche mies zu machen, in einem Land, in dem Gleichberechtigung noch wie ein Fremdwort anmutet.

Lange habe ich hin und her überlegt, ob ich die aktuelle „Weltwoche“ zitieren soll. Dieses Verpackungsmaterial für gehärtete Milchprodukte, welches ich dennoch zugegebenermassen kaufe, wenn der Titel „Die hilfsbedürftige Frau“ lautet. Untertitel: „Zur staatlichen Konstruktion eines Vorurteils.“ Ich hätte das Blatt mit Nichtbeachtung strafen sollen, aber so viel Grösse habe ich leider nicht.

Dafür weiss ich nun, meine Damen und Herren, dass es Diskriminierung, Sexismus, Lohnungleichheit und fehlende Angebote für Frauen gar nicht gibt! Ha! Wir haben uns das alles nur ausgedacht! Und nötigen den Staat gemäss Rico Brandle mit Aufklärungskampagnen, Quotenregelungen und Lohnpolizei dazu, Millionen auszugeben, die er so viel besser einsetzten könnte! Bspw. für die Armee, so meine Vermutung.

Ich bin doch kein Löli
Nach einer solchen Einleitung war ich natürlich gespannt darauf, was denn da folgen möge. Worauf seine Kritik basiert und worauf das alles hinausläuft. Aber das war wohl zu viel verlangt. Herr Brandle listet auf, was der Staat tut oder in Zukunft tun möchte und tut alles damit ab, es brauche nicht davon. Wieso und warum er das glaubt, sagt er aber nicht. Unter anderem nimmt er die Gleichstellungskampagne unter die Lupe, welche Vorurteile gegenüber „typischen Frauen- und Männerberufen“ abbauen will. Seine Kritik an der Kampagne lässt eher vermuten, dass Bandle nicht um die Ecke denken kann und nicht, dass es schlechte Werbung ist. So behauptet er, die Kampagne habe die gegenteilige Wirkung, weil man eben erst das Kleingedruckte lesen müsse, bis man begreife, dass es eben um ein Umdenken gehe. Na ja, wenn jede Werbung nur sagen darf, was ist, dann ist der „Löli“ wohl König!

„Der Staat greift den Frauen in Alltag und Beruf unter die Arme und soll es gemäss vielen Politikerinnen noch mehr tun – als ob es sich um Menschen handelte, die nicht in der Lage sind, sich selber durchzusetzen.“ Der Staat glaubt also, wir Frauen seien schwach und unterstützt uns dabei. Dabei könnten wir das ja alles selber und müssten dafür keine Kampagnen lancieren, mit dem Geld eben dieses Staates. Nein, wir Frauen sind nicht schwach. Und ja, in der Schweiz hat sich tatsächlich viel getan, seit mein Sohn vor 10 Jahren zur Welt kam und ich zum ersten Mal mit der „Karrierefrage“ konfrontiert wurde. Weiterarbeiten? Und wohin mit dem Kind? Zu Hause bleiben? Und was ist mit meinem Beruf? 

Frauenquote vs. Hintern küssen
Natürlich gibt es in der Zwischenzeit ein grösseres Angebot an Krippen etc., die Frauen dabei helfen, den Karrierefaden nicht zu verlieren. Aber können wir wirklich behaupten, dass schon genug getan wurde? Und was ist mit all den Mädchen, die heute in der Mehrzahl eine gute Ausbildung haben, studieren und danach doch ihren Beruf für ein paar Jahre (oder ganz) aufgeben müssen wegen der Kinder? Und die, welche gar nicht erst Kinder wollen, damit sie in ihrem Beruf bleiben können, die Karriereleiter sie aber nur mit der Frage konfrontiert, ob es nicht bald zu spät sei für Nachwuchs? Und doch nie in der obersten Etage sitzen werden, einfach, weil sie nicht die richtigen Hintern geküsst haben?

Stichwort „Frauenquote“: Natürlich ist es nur eine suboptimale Lösung, die Quote künstlich zu erzeugen. Aber solange Frauen nicht auf „natürlichem“ Weg nach oben kommen, muss man ihnen eben etwas helfen. Das hat aber mit „bedürftig“ nicht zu tun. Das ist nur eine Antwort auf die sozialen und firmenpolitischen Begebenheiten. Bandle hingegen glaubt, den Staat gehe es nichts an Vorurteile und Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft zu reduzieren. Hier läge der Schlüssel für die „ausufernde Gleichstellungsindustrie begraben; die Überzeugung, fehlgeleitetes Denken der Leute durch Staatsinterventionen in die richtigen Bahnen lenken zu können.“ Um den Staat nicht damit zu belasten sollen wir also einfach darauf hoffen, dass die Situation von alleine besser wird? Weil man in anderen Ländern vielleicht gesehen hat, wie gut das klappt? Wo lebt Herr Bandle nur? Im Barbapapa-Land?

Übrigens kann ich die – in den Kommentaren zu lesenden – Kritiken, Frauen wollten ja gar nicht arbeiten („schlafen Frauen länger?“) nicht gelten lassen. Als Unternehmerin habe ich jeden Tag Kontakt mit Mitarbeiterinnen und Frauen, die morgens schon gearbeitet haben, bevor die Kinder in die Schule müssen und abends, nachdem sie im Bett sind, noch bis 24.00 Uhr oder länger fertigmachen, was tagsüber nicht ging, weil Mama ja immer noch meist die ist, die kocht, putzt, einkauft, Hausaufgaben mitmacht undundund. Also sagt mir nicht, Frauen wollten nicht arbeiten, bloss weil sie nicht morgens um sieben neben euch im Stau stehen! Da hat Mama nämlich schon einen Viertel Ihres Arbeitstages hinter sich, Herr Bandle. Und der Staat darf ihr gerne dabei helfen, alles unter einen Hut zu kriegen.

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