Donnerstag, 16. Januar 2014

Oops, they did it again...



Es ist das dritte Mal, dass der Windelhersteller uns dankt. Und das nervt langsam.

London 2012 und Vancouver 2010: Procter & Gamble, Partner der olympischen Winterspiele auch dieses Jahr in Sotschi, bedankte sich tränendrüsend-strapazierend bei uns Müttern. «Thank you, Mom» heisst auch dieses Jahr die Kampagne. Zum dritten Mal sieht man darin Mütter, die hingebungsvoll ihre Kinder betütteln – für Russland wählten sie das Thema «Fallen und wieder aufstehen». Das vibrierende «Danke, Mami» bezieht sich auf die mütterliche Nachwuchsförderung olympischer Medaillen-Gewinnern.

Trotz heftiger Kritiken in den letzten Jahren, scheinen die Marketing-Gurus des Windelherstellers irgendwie nicht zu begreifen, dass ihre ewige Verherrlichung der Mutter langsam nervt. Nicht nur, weil dieselbe Firma auch Putz- und Waschmittel herstellt, aber auch. Vor allem geht mir die pathetische Bildsprache auf die Nerven, denn darin kommt kein einziger Vater vor! (Eine halbe Bildeinstellung lang schon, aber der kleine Hosenscheisser rennt natürlich zu Mutti.)
Die Kampagne sagt nämlich folgendes: «Für das Wohlbefinden und die Zukunft des Kindes müssen die Mütter beim ersten Schritt, beim ersten Fall, beim ersten Eishockeymatch präsent sein. Die Väter können abwesend sein, alles ist gut.»

Natürlich tun Mütter viel für ihre Kinder. Sogar sportlich betrachtet, sind viele Mütter unabdingbar, bedenkt man, dass es meist sie sind, die ihre Sprösslinge ins Training fahren und wieder abholen. Doch darf man deshalb die Väter vollkommen ignorieren? Sollte man nicht endlich – obwohl unsereins wohl bald arbeitslos wäre – das Thema Mütter, Väter, Eltern etwas moderner behandeln? Väter sind lange nicht mehr so abwesend wie früher. Und gerade was den Sport betrifft, sind es doch gerade die Väter, die sich dafür interessieren. (Meiner Erfahrung nach sind die Mütter nur die Chauffeusen und am Turnier wird mit anderen Chauffeusen gequatscht. Überspitzt gesagt.)

Wenn Procter & Gamble wirklich der "Stolzer Sponsor für Mütter" wäre, wie sich die Marke ja selber beschreibt, müsste sie aktiv für gleichen Lohn lobbiieren, für Mutterschaftsurlaub, bezahlbare Kinderkrippen, flexible Arbeitszeiten und sie würden keine Produkte mehr herstellen, die bei eben diesen Müttern Krebs verursachen!

Was mich aber noch viel mehr stört, ist, dass wieder einmal implizit gesagt wird, dass nur wir Mütter für das Wohlbefinden der Kinder zuständig sind. Denn die Väter können's nicht. Anders gesagt: Wenn Sie nicht an jeden Match Ihres Kindes gehen, bringen Sie die Mutter-Kind-Beziehung in Gefahr. Wenn der Nachwuchs versagt, ist es dann eben die Schuld der Mutter.

Es ist vielleicht nicht die Aufgabe eines globalen Unternehmens, die Thematik neu anzugehen. Aber eigentlich schon. Wir wissen doch alle, wie viel Einfluss die Werbung auf unser tägliches Leben nimmt. Wenn die Marketing-Abteilungen dieser Welt etwas weniger plakativ agieren würden, gäbe es schnellere Veränderungen, davon bin ich überzeugt. Oder kaufen Sie jetzt mehr Pampers als vorher?

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