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Ein Mann über Mutterkühe und Stillnazis





Kennen Sie den Quotenmann? Nicht? Dann sollten Sie das unbedingt nachholen, er ist zurzeit nämlich die beliebteste Zielscheibe Schweizer Mütter.


Das hat er sich nun wirklich selber zuzuschreiben. Ein Mann, der es wagt, im Internet über den «esotherischen Mutterwahn», wie er es nennt, herzuziehen, der muss ja wohl bestraft werden, oder nicht?
Der Quotenmann hat sich an ein Thema gewagt, dass nicht einmal Mütter antasten dürfen: Frauen, die Mütter werden, ändern ihre Meinung. Über vielerlei Dinge: Geburt, Stillen, Erziehen, Frausein. Das Interessante dabei ist, dass sie selber das gar nicht so sehen, sondern so tun, als hätten sie noch nie anders argumentiert, als mit dem Kindeswohl und den Naturvölkern. So werden aus emanzipierten, weltoffenen Frauen, esotherische Mütter, deren vereinbarten Betreuungspläne mit dem Partner unter den Tisch fallen, weil das Kind doch nicht ohne die Mutter kann!


Man mag sich darüber streiten, ob ein Mann qualifiziert ist, über «Mutterkühe» zu urteilen, die «ihr früheres Selbstverständnis als emanzipierte Frau mit ihrer neuen esotherisch/biologischen Reduziertheit als Übermutter unter einen Hut bringen. Und andere Mütter, die vielleicht ein wenig pragmatischer mit der Beziehung zum Nachwuchs umgehen», von oben herab bemitleiden oder verachten.


Doch die Reaktionen auf diese Kolumne waren zahlreich. Und emotional geladen. Mütter, die sich von Bezeichnungen wie «Stillnazis» und «Gebärmaschinen» angegriffen fühlten, wehrten sich dagegen, ihre Sicht der Dinge anderen Müttern aufoktroyieren zu wollen. Und taten in ihren Kommentaren genau das. Stillende Mütter gegenüber Schoppen-Mamis. Hausfrauen vs. Berüfstätige Mütter etc. Immer dasselbe Spielchen. Da half auch nichts, dass es die Kolumne über das Wochenende sogar in die «Emma» schaffte, deren Kommentare natürlich eher kontra «Heimchen am Herd» waren.


Doch eines hat mich stutzig gemacht: Mehr als eine Kommentatorin versicherte dem Quotenmann, sie habe noch nie von Müttern gehört, die andere verurteilten, bloss weil sie eine andere Meinung übers Stillen/Tragen/Erziehen hätten. Wirklich? Kann es sein, dass es Frauen gibt, die das noch nie erlebt haben? Oder sind es gerade diese Frauen, die selber urteilen und sich nicht um die Gründe für andere Lebenseinstellungen kümmern?


Auf jeden Fall hat der Artikel einmal mehr gezeigt, dass die Emanzipation, welche in den Siebzigern für die Wahlfreiheit stand, leider versagt hat. Denn heute gilt wie damals: «Jede Wahl ist richtig, solange es die meine ist.» Schade, nicht?

Kommentare

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…
Ich kann weder mit dem reisserischen Clack-Bericht noch mit den teils sehr aggressiven Kommentaren noch dem sinnlossen Mütterbashing etwas Positives abgewinnen. Journalisten, welche dermassen beleidigend schreiben, mit diskriminierenden Begriffen wie Bälger, Stillnazis und Gebärmaschinen um sich werfen müssen und meinen, eine Frau wäre nach Schwangerschaft und Geburt noch dieselbe wie vorher, kann ich nicht ersnt nehmen. Und ich gehöre übrigens nicht zu den Langzeitstillerinnen! In meinem Umfeld hats sehr viele Mütter und mindestens soviele verschiedene Erziehungsstile und Lebensmodelle. Doch das friedliche Zusammenleben funktioniert wunderbar - ganz einfach weil wir uns und unsere Ansichten respektieren und tolerieren. Und solange die Kinder möglichst bedürfnisorientiert und natürlich gewaltfrei erzogen und mit viel Liebe, Wärme, Nähe, Geborgenheit, Zuwendung, Zuneigung und Sicherheit durchs Leben hindurch begleitet werden, ist doch alles bestens - egal ob und wie lange gestillt wurde! Mit etwas mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, "Leben und leben lassen" und weniger Vorurteilen, dafür etwas mehr Rücksicht, Toleranz, Respekt, Verständnis, Akzeptanz, Lockerheit und gesundem Menschenverstand wäre das Zusammenleben - vor allem jenes unter uns Müttern - noch viel harmonischer und gemütlicher :). Und solche diffamierenden Artikel und damit verbundenen Diskussionen würden restlos überflüssig und schon gar nicht veröffentlicht... ;)

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