Direkt zum Hauptbereich

Unterbezahlte Kindererzieher



Der Kanton Zürich hat zu wenig Kindergärtnerinnen. Wer will den unterbezahlten Job schon, bei dem die Kunden rumschreien und sich die Schuhe nicht selber binden können? 

1000 Kinder werden im Kanton Zürich nach den Sommerferien neu eingeschult. Das gibt in vielen Schulhäusern mindestens eine neue Klasse, wie der «Tages-Anzeiger» letzte Woche schrieb. Nun ist der Lehrermangel bekannt, bei den Kindergärtner und -innen ist die Wüste noch trockener:
Laut Brigitte Fleuti, Präsidentin des Verbandes Kindergarten Zürich, hat sich schon lange abgezeichnet, dass bald mehr Kinder eingeschult und entsprechend mehr Lehrpersonen auf Kindergartenstufe gebraucht werden. Dass es nun doch zu einem Lehrermangel gekommen ist, erklärt sie mit den hohen Anforderungen, die eine Kindergärtnerin erfüllen muss, ohne angemessen entlöhnt zu werden. So gelte es, Kinder mit Sprachschwierigkeiten und speziellen Bedürfnissen zu integrieren und jedes Kind einzeln zu fördern. Die Kinder seien immer jünger, viele hinkten in ihrer Entwicklung hinterher. Viele Kindergärten seien in zu kleinen Räumen mit schlechter Schalldämpfung untergebracht. Der Lärmpegel sei entsprechend hoch, was für die Lehrperson stressig sei.
Oder anders gesagt: Nein, danke! Eine Kindergärtnerin ist voll ausgebildet und erhält dennoch nur 87% ihrer Lohnstufe! Immer noch nicht ganz ernst genommen, verlangen auch wir Eltern viel von den Kindergartenlehrer/innen: Die Kinder sind immer jünger, viele – aus diversen erziehungstechnischen Gründen – dem Schulalltag noch nicht gewachsen und von vielen Eltern werden ganze Erziehungsprogramme verlangt. Wer badet das aus? Die Frauen und Männer, die sich tagaus, tagein mit unseren Kindern beschäftigen, ihnen Tolles beibringen, sie trösten und fördern. Aber weniger Lohn erhalten als Primarschullehrer!
Wieso? Welche Begründung gibt es dafür? Gerade der Kindergarten ist doch der wichtigste Schritt in Richtung Schule. Wenn hier keine motivierten Menschen sind, wird den Kleinen der Einstieg in die Schule doch vermiest, oder nicht? Sind diese – meist sehr kinderliebenden – Lehrer/innen wirklich weniger wichtig und ernst zu nehmen, als die späteren? Ich glaube nicht.
Der Mangel führte jetzt dazu, dass man neue Kindergärtner/innen kurzfristig ausbildet, und zwar in ganzen 3 Tagen! Ich gehe davon aus, dass sowieso nur kinderliebende Menschen diesen Job machen wollen, aber dennoch: Schnellbleiche? Kindergärtnerin light? Der Frust ist bei den bereits Ausgebildeten vorprogrammiert.
Was meinen Sie? Sollte man den Berufsstand aufwerten oder sind Kindergarten-LehrerInnen wirklich nicht so wichtig?

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Hormonhölle

  Wer mich bzw. Rabenmutter (Blog und Buch) noch nicht kennt, braucht für diesen Text eine kurze Orientierung: Bei Sassines sind wir 2 Männer (Vater und Sohn, 21) und zwei Frauen (Tochter, bald 17, und ich). Soviel zur Demografie des Hauses. Als mein Sohn in die Pubertät kam, gab es schwierige Zeiten. Wir sind uns sehr ähnlich, will heissen, wir sagen, was ist. Sowohl im Positiven, wie aber auch im Negativen. Wenn uns also etwas nicht passt, meckern wir genauso, wie wir spontan «Ich liebe dich» sagen können. Jedoch gab es Zeiten, da war es kein meckern mehr, vielmehr gingen wir uns regelmässig an die Gurgel mit ausgewachsenen Wutanfällen, die einem Orkan ähnelten. Sowohl in der Kraft, als auch in der Lautstärke. Diese endeten jeweils mit einem Türenschletzen seiner- und einer Putzaktion meinerseits (Ich putze nicht gerne, ausser ich bin wütend. Meine Laune lässt sich also direkt an der Sauberkeit unseres Hauses messen.) Die anderen zwei Sassines, Vater und To...

Libido und Langeweile

Wer kennt das nicht? Den Mann hat man schon länger, die Kinder rauben einem den Schlaf und den letzten Nerv. Sex ist das Letzte, worauf man jetzt Lust hat. Für einen Artikel über die weibliche Libido würde ich gerne Aussagen von Müttern und Ehefrauen aufnehmen, wie das bei euch ist/war. Habt ihr regelmässig Sex mit eurem Mann? Oder vielleicht mit einem anderen? Und was heisst regelmässig? Habt ihr Freude am Sex oder ist es zur Pflichtübung geworden? Würdet ihr dagegen eine Pille nehmen? Es wäre schön, wenn ihr mir in der Kommentarfunktion (auch anonym) ein paar dieser Fragen beantworten könntet. Eure Aussagen würden mir sehr helfen! Herzlichen Dank!

Doktorspiele oder sexuelle Belästigung?

Eine amerikanische Studie zeigt dise Woche auf, dass fast die Hälfte der Kinder - wenn auch mehr Mädchen als Jungs - in der Schule "sexuell belästigt" werden. Ich schäme mich ein bisschen, diesen Ausdruck in Anführungs- und Schlusszeichen zu setzen, denn es liegt mir fern, ein solches Fehlverhalten zu minimieren. Doch meine erste Reaktion auf die Studie war erst einmal: Die Amis sind wiedermal hysterisch, früher nannte man das einfach Doktospiele! Oder einfach Geblödel vorpubertierender Kids, die glauben zu wissen, was sie tun. Die Wahrheit sieht etwas besorgniserregender aus: Denn seit es auch die Cyber-Belästigung gibt, wollen viele Kinder am liebsten gar nicht mehr in die Schule, weil sie sich schämen oder den Gerüchten aus dem Weg gehen möchten. Und nun meine Frage an euch: Was sind eure Erfahrungen mit dem Thema? Haben eure Kinder schon mal etwas erzählt? Und wie war das bei euch als ihr klein wart? Ich mache mal den Anfang: Unsere Schule hatte die tolle Idee, eine...