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Baby-Tagebuch: Vorsicht! Schwangerschaft!

Das Leben als Schwangere hat seine schönen Seiten. Jeder will dir helfen, du darfst nicht mehr schwer tragen und sobald man den Bauch auch sieht – was bei mir bereits im dritten Monat der Fall ist – hält dir die halbe Welt die Tür auf und lächelt dich nett an. Doch gibt es auch Schattenseiten.


Das Schöne überwiegt zwar, doch stelle ich eine gewisse Bevormundung fest, der ich nichts abgewinnen kann. So gelte ich im Erlebnispark als AHV-Rentnerin und die allgemeine Sorge um meine Gesundheit, namentlich, was ich essen und trinken darf, ist schwer zu ertragen, auch wenn es lieb gemeint ist (vor allem, wenn mir die Sorgetragenden gänzlich unbekannt sind). Ich würde nämlich trotz Schwangerschaft im Restaurant gerne mal ein Gläschen mittrinken. Doch da werde ich dauernd ungefragt darauf aufmerksam gemacht, dass ich schwanger bin (als ob ich das vergessen könnte). Tadelnde Blicke und indiskrete Fragen vom Nebentisch nehmen parallel zu meinem Bauchumfang zu.

Ganz interessant wird es mit der Sorge um mich bei mir nahestehenden Personen: meine Mutter und meine Grossmutter, beide ursprünglich Sizilianerinnen. Gemäss ihren Anweisungen darf ich NICHT

- in mein Gesicht fassen, wenn ich Gelüste nach was Essbarem habe. Das Baby kriegt sonst an der Stelle einen Weinfleck (wie Gorbatschov).
- mich nach oben strecken, der Fötus fällt sonst vorzeitig raus (Klar, das hört man doch ständig!).
- eine Halskette tragen, sonst wickelt sich mein Nachwuchs die Nabelschnur um den Hals und erstickt daran (Den Zusammenhang konnten sie mir noch nicht ganz erklären).

Was ich mit diesen Vorsichtsmassnahmen anfangen kann? Erraten! Nichts!

Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, seine Spezies zu schützen. Und deshalb werde ich mir heute eine kleine Virgin Mary genehmigen. Prost!

Text: Nathalie Sassine

Erschienen im wir eltern Nr. 11/08

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