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Wollen Mädchen eine realistische Barbie überhaupt?



Die neue «Barbie» hat eine normale Figur. Die Revolution im Spielwarenhandel ist ein riesiger Fortschritt. Wirft aber Fragen auf.

Es weihnachtet schon sehr, vor allem im Handel. Christbaumkugeln, Schmuck, Rezepte und vor allem: Spielsachen! Die neuen Plastik-Figuren werden überall vorgestellt und ich fühle mich wie beim Groundhog day: Alle Jahre wieder.


Doch eine Neuheit sticht mir ins Auge und mir gefällt, was ich sehe: Lammily, die «Barbie» (nicht von Mattel) mit der realistischen Figur. Will heissen: So könnte ein Mädchen tatsächlich auch aussehen. Nicht übergross, nicht extrem dünn, eine normale Taille und ein rundliches Gesicht. Ganz toll!
 
Denn auch Mattel hat versucht, ihr Flaggschiff «Barbie» zu modernisieren, mit mässigem Erfolg, der eigentlich nur noch peinlich ist. So gibt es ein Barbie-Buch mit dem Titel I Can Be a Computer Engineer. Was toll klingt – denn nachdem Barbie Mami, Bikinimodel und Krankenschwester war, wurde es an der Zeit, sie einen Beruf ausüben zu lassen, der nicht typisch für Mädchen ist –, ist in Wirklichkeit ein erschreckendes Beispiel dafür, wie sexistisch die Puppe weiterhin behandelt wird. Denn im Buch arbeitet Barbie zwar am Computer, wenn es aber darum geht, etwas zu entwickeln, muss sie an ihre männlichen Kollegen appellieren. Oder wie es eine Bewertung auf amazon ausdrückt: «Mädchen lernen in diesem Buch, wie man Jungs dazu manipuliert, die Arbeit zu erledigen.» Da haben die Jungs (oder gar Mädels?) von Mattel auf der ganzen Linie versagt. 

Deshalb wirkt die wohlproportionierte Lammily wie ein Lichtblick in der Spielwaren-Gender-Diskussion. In der Weihnachtsedition 2014 kommt sie sogar mit einem Set Sticker daher, welche Pickel, Narben, Cellulite, Tattoos und sogar Schwangerschaftsstreifen beinhaltet. Finde ich sehr, sehr cool! 

«Ja, aber würde deine Tochter so eine wollen?», fragte mich eine Freundin gestern, als ich ihr ganz begeistert davon berichtete. Dazu muss ich sagen, dass meine Tochter der dunkelhaarigen Lammily sogar ähnelt. Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass sie so eine Puppe haben möchte. Doch will sie das wirklich? Wählen wir Erwachsene ebenfalls nach unserem Ebenbild? Wohl kaum. Oder wie erklären Sie sich den Erfolg einer Serie wie «Desperate Housewives», wenn nicht damit, dass diese verzweifelten Hausfrauen uns so gar nicht ähnlich sind? Ihr Leben ist nicht unseres, ihre Autos ebenfalls nicht und ihre Figur erst recht nicht! 

Wieso sollte also meine Tochter ausgerechnet auf eine Puppe stehen, die ihr ähnelt oder ähneln könnte? Ist es am Ende so, dass Lammily vor allem uns Eltern gefällt und wir endlich eine pädagogisch wertvolle Barbie-Version gefunden haben? Ähnlich wie wir damals dachten, unsere Kids sollen vor allem mit Holzklötzen spielen, bis das kinderlose Gotti ihnen ein Plastikspielzeug geschenkt hat und das Kind nichts anderes mehr wollte? 

Ich weiss es nicht, ich will meine Kleine ja mit der Puppe überraschen und werde sie deshalb auch nicht fragen. Aber der obige Video-Clip zeigt zumindest, dass die realistische Barbie bei den Kids ganz gut ankommt. Vor allem die wiederholte Aussage «Sie sieht aus wie meine Schwester» gefällt mir besonders gut. DAS hat kaum je ein Kind über Mattels Barbie gesagt, oder was meinen Sie?

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