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Generation Bumerang

Sie kommen zurück! Wenn Kinder wieder bei den Eltern wohnen. Und was man dagegen tun kann.

«Bumerang-Kinder zieht’s wieder zu Mama und Papa» titelte 20 Minuten Online letzte Woche. Klar, dass ich das lesen musste. Ich schlage mich gerade damit rum, dass mein 10-Jähriger diesen Sommer ins WWF-Lager geht. Alleine. Er kennt da niemanden. Und wir kennen seine Leiter nicht. Hiiilfe! Dennoch gehöre ich zu der Sorte Eltern, die überzeugt ist, dass es den Kindern gut tut, mal weg von zu Hause, von Mama und Papa, vom Gewohnten zu sein. Das soll sie darauf vorbereiten, dass sie später einmal ausziehen werden, ein eigenes, selbstständiges Leben führen sollen. Und jetzt kommen die von «20 Minuten» und zerstören meine Illusion! In jenem Artikel steht nämlich, dass knappe 75‘000 Elternpaare mit ihren über 25-jährigen Kindern leben. Plus über 41'000 Alleinerziehende mit Kindern in derselben Altersstufe. Das sind über fast 200‘000 Eltern, die ihre Kinder nicht loswerden! 

Das stellt auch Familiensoziologe François Höpflinger fest: «Bumerang-Kinder sind in der Schweiz ein neues Phänomen.» (Anders als in Italien meint er wohl. Da gibt es die Mammoni seit einigen Jahren schon, Wirtschaftskrise sei dank.) Dafür gibt es auch plausible Gründe: «Heutzutage haben die jungen Erwachsenen eine wechselhafte Biographie» und meint damit die längere Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Reisen und häufiger Jobwechsel. Das verstehe ich alles. Aber bei seinen  weiteren Gründen läuft es mir doch ein wenig kalt den Buckel runter: «Die hohen Wohnkosten in der Schweiz schrecken viele junge Leute ab.» Ausserdem sei es nicht mehr so uncool wie früher, bei den Eltern zu wohnen. «Dank der antiautoritären Beziehung haben viele eine gute Beziehung zu ihren Eltern.» Gerade die Söhne (!) schätzten es, wenn Mama (!) das Zimmer aufräume und die Wäsche mache. Und jetzt kommt’s: «Sie wissen, dass die Freundin diese Pascha-Allüren nicht tolerieren würde. Für viele ist das Zusammenleben mit Mama attraktiver als mit der Freundin.» !!!!!
GAHT‘S NO? Muss ich euch Eltern wieder mal daran erinnern, dass euer Zuhause kein Hotel ist? Speziell euch Müttern ermahnen, euren Kindern nicht zu dienen? Muss ich wohl. Bitte sehr:
  • Kinder können ab ca. 5 Jahren ihr Zimmer weitgehend selber aufräumen.
  • Mit 9 kann man ihnen beibringen, wie die Waschmaschine, der Tumbler und ein Geschirrspüler funktioniert.
  • Wir haben keine Kinder bekommen, um aus ihnen assistierte Faulenzer zu machen. Sondern selbstständige,  selber denkende Männer und Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen (wollen).
  • Für die Eltern von Söhnen: Wer will schon einen Mann in die Welt schicken, der lieber mit Mami lebt als mit einer ihm ebenbürtigen Frau?
  • Für Eltern von Töchtern: Achtet bitte darauf, dass sie sich keinen Typen angelt, der lieber mit Mami wohnt! Oder ihm hinterherputzt, -wäscht und -kocht!
So, mit diesen Regeln sollte die Bumerang-Generation bald ausgemerzt sein, was meinen Sie?
 
Ach ja, und was uns das «20 Minuten» nahelegt: Eltern sind nicht verpflichtet, ihre Kinder zurückzunehmen. Keine Rücknahmepflicht sozusagen. Uff! Noch mal Glück gehabt, wie?

Kommentare

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…
Längere Zeit bei den Eltern wohnen und gleichzeitig selbstständig werden muss sich nicht zwingend ausschliessen. Wichtig ist, dass aufeinander Rücksicht genommen und die Privatspähre gewährleistet ist. Es muss aber auch wie sonst im Leben ein stetes, ausgeglichenes und ausgewogenes Geben und Nehmen sein. Auch ich zog damals erst mit Mitte 20 von zu Hause aus. Doch für mich war putzen, waschen, kochen etc total normal und selbstverständlich! Mir wäre es ehrlich gesagt mehr als peinlich gewesen, hätte mir meine Mutter damals mein Zimmer aufgeräumt und dieses geputzt. Schlecht ist nämlich, wenn die Eltern ihrem schon längst erwachsenen Nachwuchs sämtliche Aufgaben, Herausforderungen und gar Entscheide abnehmen und ihm Hürden, Hindernisse, Steine aus dem Weg räumen. Mit solchem Verwöhnen und Verhätscheln leisten Eltern ihren Kindern und sich selbst einen wahren Bärendienst und machen aus ihren "Kindern" unselbständige, faule Paschas, die nie wirklich lernen, für sich selber zu sorgen, das Leben zu meistern und "normale" Dinge wie Wäsche waschen, einen Haushalt führen etc nicht auf die Reihe kriegen. Das kanns dann ja auch nicht sein, oder?! Da tragen die Eltern solcher "Muttersöhnchen" und "Muttertöchterchen" eine grosse Mitschuld!

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