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Der schwerste Job



Lehrer sein ist heutzutage ein harter Job. Nicht wegen der Kinder. Sondern wegen deren Eltern.

Vor kurzem fand in der dritten Klasse meines Sohnes Folgendes statt: Er hatte zwei Seiten Hausaufgaben gemacht (Mathematik, unser aller Lieblingsfach! Scherz, lass nach...) und brachte sie in die Schule. Bei Abgabe stellte die Lehrerin fest, dass die Blätter nicht angeschrieben waren, worauf sie sie zerriss und der Junge die Aufgaben noch mal machen sollte. So seine Version der Dinge. 

Gleichentags erhielten wir in der Elternpost ein Schreiben, das uns darüber informierte, dass die Kinder der dritten Klasse ab sofort Kommunikations- und Verhaltenstraining erhielten, damit sie lernten, Konflikte verbal und zivilisiert zu führen. 

Merken Sie, worauf ich hinaus will? Einerseits will man den Kindern anständige Kommunikation beibringen, andererseits werden Hausaufgaben zerrissen? Genau! Irgendwie nicht ganz koherent, richtig? Das fand ich eben auch, weshalb ich mich durchrang, die Lehrerin anzurufen. Und das ist der Punkt: Immer, wenn ich ein «Problem» mit der Schule habe und verstehen will, was sie sich bei gewissen Regeln gedacht haben, fühle ich mich wie die hysterische Tigermom, die ihr Kind vor den bösen, bösen Lehrern beschützen will.
 
Also geht es ans diplomatische Formulieren: «Ich will Ihnen überhaupt nicht reinreden, aber ich verstehe nicht ganz, wieso man ein Blatt gleich zerreissen muss, um den Kids beizubringen, dass sie gopfertelli nomal ihre Hausaufgaben anschreiben sollen? Ich bin wirklich die Erste, die versteht, wies mühsam und nervenaufreibend es ist, den Kindern IMMER WIEDER dasselbe zu predigen. Und trotzdem.» Allen Versuchen zum Trotz, vernünftig und unterstützend zu klingen, hörte ich mich eigentlich nur dauernd sagen «Was soll der Sch...?» Und genau DAS wollte ich doch nicht! 

Denn Lehrer werden – das zumindest höre ich ständig von Freunden, die diesen wunderbar anstrengenden Beruf gewählt haben – dauernd von Eltern gemassregelt. Wegen der Noten, der Bestrafung, der Schulreise, der Hausaufgaben  und und und. Lehrer müssen also nicht nur die Kinder im Griff haben, sondern auch deren Eltern, für die das Kind schon lange zum Projekt mutiert ist, welches es durch die Schule zu boxen gibt, koste es, was es wolle. Aber ich bin doch nicht so! Oder? 

Ich hoffe wirklich, die Lehrerin denkt jetzt nicht, ich sei ein Tigermami! Inzwischen überlege ich mir ein paar weitere Formulierungen, für den Fall, dass der Junge wiedermal heulend nach Hause kommt... 

Wie handhaben Sie das, wenn Sie die Lehrer etwas fragen bzw. Sie etwas verstehen wollen? Oder ist Ihnen das egal, was die Schule denkt? Tipps?

Kommentare

Stef hat gesagt…
Liebe Rabenmutti - ganz ehrlich: So sind Lehrer. Ich kann sie ja auch verstehen: Es gibt so viele idiotische Eltern wie es idiotische Lehrer gibt. Wie soll man die Spreu vom Weizen trennen? Ich glaube, sobald ein Lehrer mit Eltern telefoniert, hat er tatsächlich das Gefühl, gemaßregelt zu werden, so wie du das Gefühl hattest, ihr doch zu sagen, dass das ein riesen Sch*** ist. Ist es auch. Aber als höfliche Menschen sagen wir das so natürlich nicht ;)

Wenn mich die Lehrer unseres Sprösslings _nerven_ und ich das Gefühl habe, ich komme bei ihnen gar nicht weiter, wende ich mich an den Direktor. Ja, ich bin tatsächlich zu einer Petze geworden! Der Lehrer unseres Filius' hat uns nämlich immer dargestellt, als seien wir die letzten Idioten und als hätten wir keine Meinung zu haben. So traurig es ist. Das Ganze mussten wir dreimal machen und seither können wir auch besser mit dem Lehrer selbst sprechen. Ist ein ungutes Gefühl. Aber was daraus entstanden ist, ist es wert!

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