Direkt zum Hauptbereich

Kapsel-Hysterie

Kinder ernähren, leicht gemacht! Oder geht die Milch-Kapsel zu weit?

„Wenn Mütter nicht mal mehr Zeit finden um zu stillen oder einen anständigen Schoppen zuzubereiten, dann sollten sie einfach keine Kinder haben!“ So und ähnlich klang es letzte Woche, nachdem Nestlé ihr neues Produkt babyNes vorgestellt hatte.
Die Milch in Kapseln wird mit einer speziellen – von Nestlé verkauften – Maschine zubereitet, genau wie der Kaffee aus demselben Haus. Still-Fundamentalisten gehen jetzt schon auf die Barrikaden, es ist ihnen ein Dorn im Auge, dass das Nicht-Stillen jetzt noch einfacher werden soll. Aber die Empörung über diese „Geldmacherei“ ist auch sonst bei den Konsumenten gross. Nicht nur wegen des Preises, eine Kapsel kostet CHF 2.00, die Maschine CHF 250.00. Keine Aldi-Preise, das ist sicher. Je nach Alter des Babys kostet ein „normaler“ Schoppen nämlich lediglich zwischen 50 Rappen und einem Franken. Stillen ist sogar gratis (wenn man die vertilgte Schokolade der stillen Mutter nicht mit einberechnet).
Um Himmels Willen! Kapsel-Milch? Warum nicht gleich Pulver-Brei? Oder fertig im Glas? Oder gar eine Maschine, die Wäsche wäscht und trocknet? ... Ach so, das gibt es alles schon? Mmmh, und wie wurden diese Neuerungen anfangs empfangen? So, wie alles Neue – vor allem in Sachen Baby-Betreuung und Haushalt angenommen wird – NICHT mit offenen Armen. Die erste Waschmaschine war vor 60 Jahren ein vermeintlicher Beweis dafür, dass Hausfrauen immer fauler werden und bald gar nichts mehr selber tun müssen. Bei der Babynahrung ist die Akzeptanz noch geringer, schliesslich sind wir, die unsere Kinder nicht oder zu wenig lange gestillt haben doch schon lange Rabenmütter. Und jene, die ihren Brei nicht selber und bio kochen, sowieso ein Fall für die Fürsorge.
Und nun die Milch aus der praktischen – wenn auch teuren – Kapsel. Hoffentlich erfinden Sie bald den Kinderwagen, der die Kids selber zum Spielplatz karrt, mit Z’vieri versorgt und dafür sorgt, dass sie sich nicht verletzen. Dann hätte ich endlich Zeit, meinen Kapsel-Kaffee in Ruhe zu trinken!

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Oh MEIN GOTT!!! Das ist kaum zu glauben!!
schtäcketööri.ch hat gesagt…
... du meine Güte. Unfassbar!
Anonym hat gesagt…
Der Markt wird's schon richten nehm' ich an. Oder auch nicht... Leute, die eh' schon einen Kleinkredit aufnehmen um für zehntausend oder mehr Franken Gegenstände zu kaufen, kommt dieser Gegenstand sicher gerade recht. Babyaccessoires für Accessoirebabys halt...
Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…
Beim Lesen dachte ich doch zuerst wirklich an einen verspäteten dummen Aprilscherz, doch scheinbar weit gefehlt… Einmal mehr ein Produkt für die Rubrik "Dinge, die die Welt nicht braucht" ;-). Wir sind bisher ohne solche Kapseln ausgekommen und werden es auch weiterhin ;-). Es gibt tatsächlich nichts, was es nicht gibt und sogar das gibts. Solange es - sorry - so "bescheuerte" Eltern gibt, welche jeden noch so überteuerten Humbuk haben und kaufen müssen, dann könnten die Hersteller kurzfristig Erfolg haben. An einen längerfristigen Erfolg glaube ich jedenfalls nicht. Ich denke eher, dass in ein paar Wochen die ganze Kapsel-Hysterie Geschichte ist und kein Hahn bzw keine Eltern mehr danach krähen, sind die Kosten für die Anschaffung der Maschine und der Kapseln doch immens! Ich frage mich einfach, wo denn der nötige gesunde Menschenverstand bleibt. Wir sind doch auch gross und stark geworden ohne unnötigen teuren Luxus und verhungert sind wir übrigens auch nicht :-)!

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Hormonhölle

  Wer mich bzw. Rabenmutter (Blog und Buch) noch nicht kennt, braucht für diesen Text eine kurze Orientierung: Bei Sassines sind wir 2 Männer (Vater und Sohn, 21) und zwei Frauen (Tochter, bald 17, und ich). Soviel zur Demografie des Hauses. Als mein Sohn in die Pubertät kam, gab es schwierige Zeiten. Wir sind uns sehr ähnlich, will heissen, wir sagen, was ist. Sowohl im Positiven, wie aber auch im Negativen. Wenn uns also etwas nicht passt, meckern wir genauso, wie wir spontan «Ich liebe dich» sagen können. Jedoch gab es Zeiten, da war es kein meckern mehr, vielmehr gingen wir uns regelmässig an die Gurgel mit ausgewachsenen Wutanfällen, die einem Orkan ähnelten. Sowohl in der Kraft, als auch in der Lautstärke. Diese endeten jeweils mit einem Türenschletzen seiner- und einer Putzaktion meinerseits (Ich putze nicht gerne, ausser ich bin wütend. Meine Laune lässt sich also direkt an der Sauberkeit unseres Hauses messen.) Die anderen zwei Sassines, Vater und To...

Libido und Langeweile

Wer kennt das nicht? Den Mann hat man schon länger, die Kinder rauben einem den Schlaf und den letzten Nerv. Sex ist das Letzte, worauf man jetzt Lust hat. Für einen Artikel über die weibliche Libido würde ich gerne Aussagen von Müttern und Ehefrauen aufnehmen, wie das bei euch ist/war. Habt ihr regelmässig Sex mit eurem Mann? Oder vielleicht mit einem anderen? Und was heisst regelmässig? Habt ihr Freude am Sex oder ist es zur Pflichtübung geworden? Würdet ihr dagegen eine Pille nehmen? Es wäre schön, wenn ihr mir in der Kommentarfunktion (auch anonym) ein paar dieser Fragen beantworten könntet. Eure Aussagen würden mir sehr helfen! Herzlichen Dank!

Nie wieder WWF Tipilager!

Das erste Sommerlager für unseren Grossen. Nicht nur das Wetter machte nicht mit.... Unser Grosser wollte sich diesen Sommer – nachdem wir letztes Jahr den Anmeldetermin verpasst hatten – unbedingt für das WWF-Tipilager anmelden. Wie die Indianer leben, schlafen, Werkzeug bauen und Schmuck basteln, hiess es in der schön gestalteten Broschüre. Er freute sich seit Monaten darauf. Und wir freuten uns mit und für ihn. Einzig die Tatsache, dass sich – trotz umfangreicher Unterlagen -   die Lagerleitung mit keinem Wort vorstellte, fanden wir etwas befremdend. Für jedes der zahlreichen Lager, die mein Mann in seiner Hockey-Karriere leitete, gab er eine Liste der gesamten Leitung mit, damit die Eltern eine leise Ahnung haben, wem sie ihre Kids anvertrauen. Diese Lagerleitung befand das – trotz schriftlicher Nachfrage unsererseits – nicht für notwendig. Doch unser Grosser freute sich viel zu sehr, als dass wir ihn deswegen nicht hingeschickt hä...